„Wenn Dein Funnel gut aufgebaut ist, verkaufst Du alles – wie geschnitten Brot!“ „Du brauchst nur das richtige „Wording“, dann bringst Du alles an den Mann/die Frau“. „Fünfstellige Umsätze mit meiner Methode!“

Bis vor kurzem war der Online-Markt ein wahres Schlaraffenland. Doch langsam scheinen die Käufer aus der Illusionsblase aufzuwachen. Sie erkennen, dass die meisten Gratis-Produkte in einem Hochpreis-Coaching-Verkaufsgespräch enden. Der „Closer“, also der angeheuerte Profi für Abschlüsse, ist so perfekt psychologisch geschult ist, dass die Kreditkarte nach dem Gespräch plötzlich um 10.000 Euro oder mehr belastet ist. So zumindest im 2019-er Goldgräber-Jahr in der Funnel-Branche.

Und auch die Anbieter wachen auf. Das, was Social-Media-Coaches als super entspannte Gelddruck-Maschine anpriesen, die alleinerziehende Mütter innerhalb kürzester Zeit zur Millionärinnen machen, erweist sich als Knochenjob, der eine Menge Lebenszeit auffrisst.

 

DIE BLASE PLATZT…

Liest man die Zeichen auf dem Online-Markt, so ist gerade ein Wandel erkennbar. Die Menschen sind satt, nein, geradezu überfressen mit kostenlosen Angeboten. Sie haben sich in Lockdown-Zeiten jeden nur kostenlos offerierten Online-Kurs heruntergeladen, sich Bundles, also ganze Bündel von Kursen zu Dumping-Preisen auf ihren Rechnern geladen – weil sie eben für billiges Geld einen riesigen Nutzen versprechen.

Die Klagen vor Gericht gegen Hochpreis-Coaches häufen sich. Etablierte Coaches distanzieren sich von den schwarzen Schafen der Coaching-Szene, die ein „schnell-im-Internet-reich-werden-Business- ohne-was-zu-können“ suggerieren. 

 

WIE KINDER IM SÜSSIGKEITENPARADIES HABEN WIR UNS ÜBERFRESSEN

Wie Kinder im Süßigkeitenparadies haben wir uns überfressen. Wir vertrauten den Coaches und glaubten fest daran, auf dem Markt mitmischen zu können.

 

 „JEDER IST IN IRGENDETWAS EXPERTE“

 

suggerierten uns die Online-Anbieter von „ich war früher eine unterbezahlte Aushilfskraft – jetzt habe ich ein Millionenbusiness – das kannst Du auch! – Kursen. Und schon verbrachten wir stunden-, tage-, monatelang vor dem Rechner und lernten, Online-Kurse zu konzipieren, Landingpages zu bauen, Facebook-Ads zu kreieren.

Wir arbeiteten an unseren Glaubenssätzen, polierten unseren Mindset auf, klärten unsere Werte und unser Verhältnis zu Geld, buchten Coaches, die uns helfen sollten, endlich erfolgreich auf dem Markt zu sein. Wir wollten auch endlich fünf- oder sechsstellige  Umsätze  – immer mit dem Slogan der verführerischen „Leader“ im Ohr: „wenn ich es kann, kannst Du es auch! „

 

WELCHE LÖSUNGSANSÄTZE ZEIGT UNS DAS MEDIZINRAD?

Wenn ich nach Lösungen suche, lege ich das Thema  ins Rad, das Entwicklungsprozesse abbildet. Egal, ob es sich um persönliche, berufliche, gesellschaftliche oder kulturelle Prozesse handelt. Ich kann also den Entwicklungsprozess eines Kunden, eines Anbieters, oder auch des Markts betrachten

 

DAS ONLINE-BUSINESS IM „SÜDEN“

Der Süden im Medizinrad ist der Platz der unschuldigen Kinder. Sie sind neugierig und allem Neuen aufgeschlossen. Sie wollen alles JETZT sofort, möglichst VIEL, möglichst UMSONST. Ein Leben im Schlaraffenland, das unendlichen Nachschub, ohne selbst etwas dafür zu tun, bietet.

Der Süden hat kein Gewissen – es gibt keine Konsequenzen, Moral oder ethische Bedenken. Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden. Das ICH ist der wichtigste und einzigste Fixpunkt – alles dreht sich um ddie eigene Person und ein Gegenüber ist dazu da, die eigenen Bedürfnisse zu bedienen. Und das möglichst schnell, zack, zack.

 

WIE BUSINESS IM SÜDEN FUNKTIONIERT:

Ein Business im Süden funktioniert, wenn der Kunde ganz ganz viel und das am Besten sofort und möglichst umsonst bekommt und der Anbieter erst einmal ganz ganz viel liefert. Und das, vermeintlich umsonst. Bei Eltern und kleinen Kindern klappt das wunderbar. 

Da Reflektion keine Fähigkeit des Südens ist, denkt der Süd-Konsument nicht über den Preis nach – er konsumiert. Bis er an einem Punkt kommt, wo er sich so überfressen hat, dass er sich übergeben muss. Und vielleicht – mit einem fetten Kater – aufwacht…

Dem Anbieter ist im Süden der Kunde vollkommen egal. Er ist nur Mittel zum Zweck. Mittel, um an die erste Million heranzukommen. Seine Gefühle, seine Bedürfnisse werden nicht wirklich gesehen. Es geht allein um die Großartigkeit des Unternehmers, dessen Glanz und die bedingungslose Gefolgschaft der Follower, die brav ihren Geldbeutel zücken. 

Der Süd-Unternehmer weiß instinktiv genau, wo dem Kunden der Schuh drückt. So wie eben Kinder genau wissen, welchn Knopf sie drücken müssen, damit die Eltern „spuren“. Er kennt den Leidensdruck und die Schmerzpunkte und weiß, damit zu spielen. Er kann Mangel kreieren und gleichzeitig Lösungen anbieten. Er spielt auf der psychologischen Klaviatur der Kunden und zwar so gekonnt, dass er ihn, ohne dass er es merkt, verführt, zu kaufen.

Der Süden-Anbieter „spielt“ Unternehmer und baut sich eine Rolle auf, die er mit ganz viel Statussymbolen aufrecht zu erhalten versucht. Dazu braucht er eine Menge „Ressourcen“, die er in sich nicht hat – also sucht er sie im Aussen: er holt sich den Kick

  • durch ein, zwei oder drei Gläser Wein (man hat schließlich hart gearbeitet und es sich verdient)
  • dämpft den inneren Druck durch Zigaretten oder legalen oder illegalen „little helpers“,
  • exzessiven Sport,
  • Kampfshopping,
  • Binge-Watching…
  • irgendetwas, das die innere Leere füllt.

 

DIE SCHWELLE VOM SÜDEN IN DEN WESTEN

In dem Moment, in dem ich mein Gegenüber, also ein „Du“ wahrnehme, bin ich auf der Schwelle in den Westen. Ich sehe als Konsument zum ersten Mal den Anbieter. Sehe seine Anstrengungen, seine Wünsche, Hoffnungen und Träume. Sehe, was er für Leistung erbringt, wieviel er in Vorleistung geht. Sehe den Wert den er erbringt.

Als Anbieter sehe ich da vielleicht zum ersten Mal meinen Kunden als Menschen aus Fleisch und Blut, nicht nur als Nummer auf meinem Digistore-Account.  Ein Mensch, der gesehen werden will, mit eigenen Bedürfnissen, mit Träumen und Ängsten. ein Suchender, der so viel Hoffnung in die Begegnung mit Dir legt.

 

DAS ONLINE-BUSINESS IM „WESTEN“

Im Westen geht es ums SELBST. Und das entsteht in der Auseinandersetzung mit Gefühlen. Selbstwert, Selbstanerkennung, Selbstzweifel, Selbstkritik, Selbstwahrnehmung, Selbstbestimmung. Das größenwahnsinnige ICH muss durch den transformativen Prozess in der Drachenhöhle gehen, in der die Drachen alter Verletzungen warten. Und die raunen:

  • „Du bist nicht gut genug!“,
  • „Du wirst es nie schaffen!“,
  • „und irgendwann kommt raus, das Du ein Blender bist!“

All diese Selbstzweifel-Drachen warten darauf, gesehen zu werden. Beschäftigt man sich als Anbieter mit den Drachen, stellen sie einen unermesslichen Schatz zur Verfügung:

 

SELBSTWERT UND SINN – DIE GEBURT VON „SOCIAL SELLING“

Erst, wenn ich durch den Prozess der Selbstwerdung gehe, entsteht ein Gefühl von Sinn für das, was ich anbiete und wofür ich stehe. Die egozentrierte Business-Strategie weicht langsam einer seelenzentrierten, in der es um einen wirklichen Kontakt geht. 

 

DIE SCHWELLE DER SELBSTFÜRSORGE UND SELBSTVERANTWORTUNG ZWISCHEN WESTEN UND NORDEN

Um seinen Platz im Norden einzunehmen – als Teil der Gemeinschaft bzw. der Gesellschaft, die sich fürsorglich um die Mitglieder ihrer Tribe (die im Kleinen in der Familie beginnt und im großen kosmischen Ganzen endet)  – gilt es eine wichtige Schwelle zu übertreten:

 

DIE SCHWELLE DES RECHTEN MAßES

Im Norden ist der Archetyp des Königs/der Königin zu finden. Ist man als König/Königin in der Fülle, so sorgt man für die Gemeinschaft. Man fragt sich dabei:

  • wen gilt es zu unterstützen?
  • wer braucht Raum zur Entfaltung?
  • wer muss angeleitet, wer angefeuert, wer gebremst werden?

immer im Hinblick auf das Wohl der ganzen Gemeinschaft. Ist man als König/Königin im Mangel, so sind einem die eigenen Bedürfnisse wichtiger als die seiner Anvertrauten. Man wird leicht tyrannisch und „benutzt“ eher als dass man „nutzt“.

 

DAS ONLINE-BUSINESS IM „NORDEN“

Im Norden wird der Online-Unternehmer und seine Produkte „erwachsen“.  

  • Er ist an seinen Drachen gewachsen,
  • hat die Schätze integriert,
  • hat Zugang zu seinen Ressourcen und
  • kann Strategien entwerfen, die das Gemeinwohl im Blick haben.

DIE GEBURT EINES SOUL-BUSINESS

Bei einem Soul-Business geht es nicht mehr um „das schnelle Geld“ sondern um eine nachhaltige Form der Umsatzgenerierung. Man muss nicht mehr „Unternehmer“ spielen sondern ist durch den Gang in den Westen authentisch gereift. Das Wohl seiner Community liegt ihm am Herzen und er unterstützt mit Herz, Hand und Verstand deren Weiterentwicklung, ohne den Blick auf sich selbst zu verlieren.

 

„ein Soul-Business-Unternehmer hat gelernt, sich materiell, emotional, strukturell und spirtuell zu versorgen und einen Überschuss zu produzieren, den er anderen zur Verfügung stellen kann“ Mia Brummer

 

Er hat gelernt, zu delegieren, ein Team | eine Tribe um sich gebildet, das die gleichen Werte hat und die selbe Vision | Mission verfolgt. Er ist im WIR angekommen. AUTHENTIZITÄT, KLARHEIT, FÜRSORGE und VERANTWORTUNG sind die Pfeiler seines Wirkens. Er ist sich den Rhythmen eines zyklisch geführten Unternehmens bewusst und bevorzugt organisches Wachstum.

Er hat sein eigenes Rad im Blick, ist gut an seinem eigenen Süden, Westen, Norden und Osten angeschlossen und kann ausgleichend einwirken.

 

UND JETZT? 

Ich kann nicht voraussagen, wie sich der Online-Business-Markt in den kommenden Jahren verändern wird – dass er sich verändern wird, ist sicher. In dem Maße, wie wir persönlich wachsen und reifen, in dem Maße werden sich auch unsere Produkte verändern und auch die Art, wie wir sie präsentieren.

Gehe ich den zyklischen Weg des Medizinrads, würde es mich an diesen Prozess erinnern: 

I. Erkennen

Wo stehe ich gerade in meinem Business? Welche unbewussten Schattenthemen laufen dadurch mit?

II. Ausrichtung

Wo will ich „eigentlich“ hin? Worum geht es mir? Um Süd-Ziele wie Geld und Ruhm? Um West-Ziele wie Anerkennung? Um Nord-Ziele wie Nachhaltigkeit und Gemeinschaft? Um Ost-Ziele wie globale Veränderungen in meinem Tätigkeitsfeld?

III. Transformieren

Dabei geht es nicht darum, das ganze bisherige Unternehmen „einzustampfen“ und hinzuwerfen sondern die Teile auszutauschen, die der neuen Ausrichtung entgegenstehen. Das können Werte, Verkaufsstrategien, Produktinhalte etc. sein

IV. Neukreieren

Aus der Verbindung alter, tragenden Teile meines Unternehmens und neuen Ideen kreiere ich – im Blick auf meine neue Wertekultur und einer nachhaltigen Kundenbeziehung – im Feld der unbegrenzten Möglichkeiten ein Win-Win-Wirkfeld.

V. Implementieren

Das noch inmaterielle Wirkfeld in die Realität umzusetzen und Mehrwert auf den Markt zu bringen. Mit neuen Werten, die dem Leben dienen. In neuer Form, die „artgerecht“ sind. 

Wie siehst Du den aktuellen Online-Business-Markt? Was hast Du als Anbieter bzw. als Konsumentt erlebt? Ich freue mich, wenn Du Deine Gedanken dazu mit mir teilst.