Visionssuche von A – Z: 100 Stunden Einsamkeit | Teil II

100 Stunden Einsamkeit

Visionssuche von A – Z: 100 Stunden Einsamkeit | Markus Zielke erzählt von seiner eigenen Auszeit

100 Stunden mit mir alleine. Ohne Ablenkungen, ohne Essen, ohne die Möglichkeit, von sich selbst davon zu laufen. Was passiert da? „Die zivilisatorische Schicht“ so hat es der amerikanische Psychologe Robert Greenway formuliert „ist nur drei Tage dick!“  Was geschieht, wenn das „darunter“ hervorkommt? Markus Zielke und Mia Brummer erzählen, was sie dabei erlebt haben.

Markus berichtet über seine Auszeit

„Ich muss abbrechen…Ich klappe kurz vor der Zielgeraden zusammen!“

Letzter Tag der viertägigen Auszeit alleine. Kann mich nicht mehr bewegen. Meine Gliedmaßen gehorchen mir nicht mehr. Wie komme ich aus diesem Loch wieder raus? Muss ich abbrechen?? Es fühlt sich wirklich ziemlich ausweglos an. Verfahrene Situation. Würdig eines Romans. Aber gefühlt ziemlich ätzend…

Vor dem Aufbruch… 

Doch beginnen wir am Anfang, bevor ich in diese Auszeit loszog. Im Basislager ging es heiß her. Jeder hatte sich intensiv auseinandergesetzt: 

Was will ich denn nun wirklich, was „ruft“ mich? Und: was hält mich jetzt noch fest? Was sollte ich endgültig verabschieden oder integrieren? Wofür gehe ich eigentlich für vier Tage Auszeit – während andere mit Freunden Sommerpartys feiern?

Diese Arbeit in der Gruppe ist oft emotional aufwühlend und zugleich stärkend. Oft geschieht gefühlt in diesen vorbereitenden Tagen das Meiste der Arbeit. Die folgenden Tage werden von vielen nun als „leichter“ beschrieben. Doch auch hier gilt: das Erleben ist höchst unterschiedlich.

Für einige ist diese Zeit eine Rückverbindung an die Natur, an großes Geschenk diese stille Begegnung mit sich selbst – für andere steht hier noch einmal eine Auseinandersetzung mit tiefen Emotionen an.

In die vier Tage gehe ich mit bangen Herzen und auf unsicheren Beinen. Zuvor hatte ich meinen „Confirmation-Satz“ erarbeitet:  ein Satz der ausdrückt was ich Neues willkommen heißen will – und was ich hinter mir lasse!

Dieser Satz schwingt zwar in mir, aber ich spüre ihn noch nicht als wahrhaftig. Doch genau dafür gehe ich ja nun raus und fort von der Gruppe.

Regenreicher Abschied von der Gruppe

Frühmorgens werden wir rituell verabschiedet. Es regnet in Strömen. In der Nacht zuvor habe ich kaum ein Auge zugetan. Wir haben alle gemeinsam in einem Gehöft übernachtet. Mich sorgt es nun rauszugehen, denn meine Ausrüstung ist mangelhaft und die Aussicht so nun einen bis zwei Tage wohl im Regen zu verbringen erschreckt mich.

Im Regen baue ich meine Plane auf. Da das Seil nicht lang genug war, knote ich es zusammen. An den Knotenpunkten sammelt sich die Nässe – und den ganzen Tag lang tropft es runter. Dann führe ich ab, so wie es uns gesagt wurde. Hungergefühle hatte ich in den ganzen vier Tagen nie.

Immer wieder versuche ich dem Regen auszuweichen. Irgendwann „ergebe“ ich mich der Nässe. Ich schreibe Tagebuch und ein Gefühl des Friedens kommt in mir auf. Gezwungen zum Nichts-Tun werden meine Gedanken ruhiger.

Die Zeit verschwimmt und Berge singen

Am zweiten Tag hört der Regen auf. Das feiere ich mit einem morgendlichen Zähneputzen am kleinen Bach. Anschließend erkunde ich die Gegend und beobachte meine Mitbewohner, die Murmeltiere. Jedoch merke ich bald, dass ich vom Verzicht auf Nahrung geschwächt bin. Ich sitze irgendwann „nur“ da und träume vor mich hin.

Die Berge kommen mir gefühlt immer näher, ein Gefühl der Geborgenheit entsteht. Nun höre ich ein Orchester, ich höre tatsächlich Musik, Akkordeon-Musik so klingt es. So als ob die Berge singen. Später erfahre ich, dass außer mir niemand das gehört hatte – und ich erfahre, dass die bergkundigen Menschen sehr wohl verstehen, dass die Berge musizieren.

Anfangs versuche ich den Tagen eine zeitliche Struktur zu geben und mir kleine Aufgaben zu geben. Genauso wie ich meine Lebenszeit als pflichtbewusster Mensch immer wieder einteile.

Irgendwann kommt der Gedanke „Das ist Deine Zeit. Deine Lebenszeit. Die kommt nie wieder. Du bist mit Dir alleine. Das kann Dir keiner jemals wieder nehmen.“

Auch diese inneren Gespräche, diese tiefgehenden und erspürten Erkenntnisse sind es, die mir so nachhaltig in Erinnerung geblieben sind.

Abends kämpfe ich dann innerlich, ob ich es wagen soll, draußen – dh. nicht unter der Plane – und unter freiem Himmel zu schlafen. Regenwolken hängen zwar immer noch tief über dem Tal, doch ich wage es. Belohnt werde ich mit einem himmlischen Schlaf und leichtem Frost morgens auf dem Schlafsack. 

Die Prüfung am letzten Tag

Nun wird es ätzend. 

Der letzte Tag bricht an. Die Tage soweit waren gefühlt „paradiesisch“, sie fühlten sich für mich ungewohnt unbeschwert und leicht an. Kritisch frage ich mich: bin ich etwas ausgewichen? Kann es so leicht gewesen sein? Sollte ich nicht noch einmal den Blick auf die Wunden der Vergangenheit werfen, um gründlich deutsch sicherzustellen, dass ich wirklich alles gelöst habe?

Nun, das tue ich dann. Wieder geht mein Blick zurück auf Ereignisse meiner frühen Kindheit, die ein Leben lang teilweise verborgen und unbewusst mein Verhalten und meine Gefühle beeinflusst haben.

Irgendwann spüre ich, dass es genug ist – und ich aufbrechen sollte. Noch habe ich den täglichen Gang vor mir, um an einem bestimmten Ort ein Zeichen zu prüfen und es neu zusetzen, so dass ich weiß ein mir zugeordneter Kollege („Buddy“) ist „OK“ – und er weiß es von mir auch. Doch geschieht es, bzw. geschieht es nicht: ich kann mich nicht mehr bewegen – alle Kraft ist plötzlich verschwunden.

Ich bin erschrocken: wie soll ich den Gang zu diesem Ort schaffen, wie soll ich signalisieren, dass ich „OK“ bin – und wie soll ich es schaffen, die letzte Nacht noch durchzuwachen und auf den Schlaf zu verzichten? Muss ich kurz vorm Ziel abbrechen, weil ich es körperlich nicht schaffe?

Und ich hadere. Hadere mit dem Schicksal. Will mich nicht ergeben. Will es schaffen. Will wieder mich bewegen können. Ich bete.

Plötzlich vernehme ich eine Stimme in mir „Du schaffst das. Ich trage Dich bis zum Ende der Visionssuche. Schüttele Dich.“  Wie durch ein Wunder fühle ich mich plötzlich wieder stark genug – und ich schaffe es, meinen Gang zu gehen, und sogar die letzte Nacht zu durchwachen!

Das werde ich nie vergessen.

Im kommenden Artikel erzählt Mia,  wie sie ganz persönlich die 100 Stunden Auszeit erlebt hat.

Hast Du Lust bekommen, mehr über unsere Visionssuche, die wir im August 2021 anbieten, zu erfahren? Dann sprich` uns an! Wir freuen uns auf Dich!

 

Visionssuche von A – Z: 100 Stunden Einsamkeit | Teil I

100 Stunden Einsamkeit

Visionssuche von A – Z: 100 Stunden Einsamkeit | Mia Brummer erzählt von ihrer eigenen Auszeit

100 Stunden mit mir alleine. Was passiert da? Ohne Ablenkungen, ohne Essen, ohne die Möglichkeit, von sich selbst davon zu laufen. „Die zivilisatorische Schicht“ so hat es der amerikanische Psychologe Robert Greenway formuliert „ist nur drei Tage dick!“  Was geschieht, wenn das „darunter“ hervorkommt? Markus Zielke und Mia Brummer erzählen, was sie dabei erlebt haben.

Mia erzählt  über ihre Auszeit

In den Tagen der Vorbereitung wurde mir klar, dass es um eine tiefe weibliche Wunde ging, die gesehen werden wollte. Unmerklich verschwand in den letzten Monaten meine Periode und ich spürte eine tiefe Trauer über so viel ungelebte Weiblichkeit. Ich hatte mich noch nicht einmal von „ihr“ verabschieden können. Und so war mein Wunsch geboren, mich „da draussen“ im Schoß von Mutter Erde davon verabschieden zu können. 

Muss ich’s mir denn immer so schwer machen?

16 Liter Wasser galt es, an den Visionssuche-Platz zu bringen. Meiner war auf einer Hügelspitze, die mich das ganze Tal überblicken – nein, kontrollieren ließ. Der Wind, der mir da oben jedoch entgegen blies, war klar und schneidend. Als ich endlich am letzten Vorbereitungstag das Wasser und einige weitere Ausrüstungsgegenstände den Berg hochgehievt hatte, saß ich schwitzend und keuchend im kalten Wind und blickte über das Tal. Da unten war eine so wunderschöne Stelle direkt am plätschernden Bach. Geschützt, friedlich und herrlich einladend. „Warum muss ich’s mir denn immer so schwer machen?“ kam mir in den Sinn. Was für eine Erleichterung war in mir, als ich auf dem Hosenboden den steilen Weg nach unten rutschte und die Stelle am Bach als meinen Visionssuche-Platz markierte.

Frau Holles Einladung

Nach dem rituellen Abschied von der Gruppe und dem Eintritt in die Auszeit, spanne ich bei herrlichstem Sommerwetter mein Tarp auf, verstaue mein Gepäck und erkunde die nahe Umgebung. Ich entdecke eine „Sonnenterrasse“, einen blumenübersäten „Vorgarten“ und richte es mir gemütlich ein. Am Ufer „meines“ Baches plane ich die 4 Tage Auszeit. Tag 1: Berg vor mir erkunden, Tag 2: Berg hinter mir erkunden, Tag 3: Tour auf die Spitze des Berges links von mir…

Wie gut, dass mir Mutter Erde einen Strich durch die Rechnung macht!

Am zweiten Tag, erwischt mich ihre Gnade: ich menstruiere! Vollkommen perplex überlege ich, was ich jetzt TUN soll. Milde lächelnd – so scheint es, erhalte ich von Mutter Erde die Antwort: nichts!

Wie geht denn Nichtstun?

Und ich kann gar nicht anders – in den kommenden Tagen lerne ich das süße Nichts-Tun.

Ich sitze die meiste Zeit, wie die Lorelei, auf einem Felsen nahe des Baches, menstruiere so vor mich hin  und tu …… nichts. Und das so, wie Gott mich schuf. Nackt und ohne Scham. Nachmittags wechsle ich auf meinen kleinen Strand, setze mich ins kühle Wasserbecken, schaue den blauen Schmetterlingen zu, die von meiner nackten Haut die Wassertropfen schlürfen und genieße das dolce far niente.

Ok, einmal verliere ich kurz die Contenance. Da liege ich so hingegossen auf meinem Privatstrand und höre plötzlich einen Pfiff. Schon spuken mir Bilder von reschen Almburschen durch den Kopf, die mich beim Baden beobachten. Schamhaft greife ich nach einem Tuch und schau` mich ratlos um. 

Da sehe ich lauter kleine Murmeltiere zwischen den Felsen, die mich anpfeifen. Grinsend entspanne ich mich wieder und freue mich über ihre Gesellschaft.

Ansonsten gibt es nicht viel zu tun. Ich gehe schlafen, wenn die Sonne über die Bergkuppen rollt und sehe auf, wenn sich Aurora, meine Nacktschnecken-Freundin langsam von der westöstlichen Planen-Seite Richtung Zeltdachmitte hochschiebt. Ich träume von vollmondgroßen Pizzarädern und belege sie immer wieder neu. 

Die letzte Nacht

In der letzten Nacht besucht mich dann endlich die Kali. Vor Sonnenuntergang packe ich meine Sachen und richte meinen Steinkreis, in dem ich, meiner Vorstellung nach, eine letzte, entspannte Wachnacht verbringe. Doch ein Unwetter braut sich zusammen. Mit letzter Kraft versuche ich, mich in die Zeltplane einzuwickeln um mich vor dem Regen zu schützen. Doch der Sturm zerrt an allen Seiten und reisst mir immer wieder die Plane aus der Hand. Bis ich so wütend werde, dass ich die Plane loslasse und den Wind anbrülle. Es scheint, als hätte er Spaß gegen mich anzubrüllen und so stehe ich eine ganze Weile mit ihm im Regen und wir brüllen gemeinsam. Irgendwann wird es ein Miteinander und als mir dann irgendwann die Luft ausgeht, wird auch er still. Der Regen hört auf und plötzlich wird es so still und leer, dass die Gnade des Erkennens in mich reinfallen kann…

Hast Du Lust bekommen, mehr über unsere Visionssuche, die wir im August 2021 anbieten, zu erfahren? Dann sprich` uns an! Wir freuen uns auf Dich!

Visionssuche von A – Z: Wir beantworten heute Deine Fragen

Fragen zur Visionssuche

Visionssuche von A – Z: Wir beantworten heute Deine Fragen

“Shut your office and go home” war die Antwort eines Meisters, als ich ihm die hundertste Frage „aber, was, wenn…“ stellte. Übersetzt: Geh´ aus deinem Kopf heraus, schließ` dein Büro und geh` nach Hause in Dein Herz. Doch was machst Du, wenn Deine Ängste und Bedenken so übermächtig sind, dass sie Dich am Nachhause gehen hindern? Wenn sie Dich davon abhalten, Dich vier Tage und vier Nächte Dich in und mit der Natur zu erleben, auf Visionssuche zu gehen? Heute beantworten wir sechs „Office“ – Fragen, die wir nach unserem Aufruf in Instagram und Facebook erhalten haben:

Bin ich verrückt? Warum mache ich das eigentlich?

Verrückt im Sinne von nicht normal, nicht der Norm entsprechend? Das kann ich mit einem klaren „Ja“ beantworten. Denn den Ruf, eine Visionssuche zu machen, hörst Du, wenn das Alte nicht mehr trägt. Wenn Dich Dein normales Leben nicht mehr inspiriert und Du ihm entwachsen bist. Da will etwas Neues gelebt werden, das nicht mehr in das alte Konzept passt. Etwas will ver-rückt werden, eine neue Balance gefunden werden. Und wenn Du diesen inneren Ruf hörst, dann ist im weiteren Schritt das „warum“ gar nicht mehr wichtig und weicht einem „wie“.

 

was mache ich 4 Tage mit mir alleine?
Was mache ich vier lange Tage mit mir alleine?

 

Was mache ich vier lange Tage mit mir alleine?

In den vier Tagen vor Deiner Auszeit wirst Du vom Visionssuche-Team auf die Zeit „da draußen“ vorbereitet. Wir begleiten Dich bei der Frage „wofür lohnt es sich?“. Du gehst also schon mit einer Ahnung von dem, was neu geboren werden will raus in die Natur und hast 100 Stunden Zeit, das ins Leben zu rufen.

Was ist, wenn fremde Menschen kommen?

Grundsätzlich bist Du nicht verpflichtet, Dich den ganzen Tag an Deinem Lager aufzuhalten. Spaziergänger hört man meistens schon aus der Ferne und so kannst Du ihnen gut ausweichen, wenn Du keinen Kontakt haben möchtest. Triffst Du fremde Menschen an, so grüßen sie Dich in der Regel freundlich und beharren nicht auf lange Gespräche, wenn sie merken, dass Du keinen weiteren Kontakt wünschst.

Was ist, wenn es 4 Tage durchregnet?

Auf Deiner Auszeit nimmst Du Planen mit, die Dich vor Nässe von unten und oben schützen. Du baust Dir also einen Unterschlupf, in den Du Dich einkuscheln kannst.

 

was wenn es Vier Tage durchregnet?
was, wenn es vier lange Tage durchregnet?

 

Was genau kann da alles passieren im Innen und Außen?

In dieser magischen Schwellenzeit, wenn Zeit keine Rolle mehr spielt und Du aus dem Alltagsleben herauskatapultiert wurdest, spiegelt sich das Innen im Außen und das Außen im Innen. Es entstehen Synchronizitäten, die neue Perspektiven entstehen lassen und Dich die alte Haut, die definiert hat, wer Du bist, abstreifen lassen. Das Neue hat in diesem Raum viel Zeit und kann sich ohne die Störungen des Alltags wunderbar entfalten.

Und was passiert im Anschluss? Wie kann ich das, was ich erlebt habe, behalten?

Nach der Auszeit erforschen die Teilnehmer der Visionssuche genau diese Frage. Das Erlebte wird im Kreis gespiegelt, das Neue in den Facetten des Spiegels betrachtet und Ideen ausgearbeitet, durch welche Aktionen es im Alltag umgesetzt wird. Es enstehen Zweierteams und Seilschaften, die sich gegenseitig auch nach der Visionssuche beim Integrieren des Erlebten zur Seite stehen. Freundschaften, die oft über Jahre weiter bestehen, denn man ist durch die gemeinsame Visionssuche zu einer Art Familie geworden.

Im kommenden Artikel erzählen Markus und ich, wie wir ganz persönlich die 100 Stunden Auszeit erlebt haben.

Hast Du Lust bekommen, mehr über unsere Visionssuche, die wir im August 2021 anbieten, zu erfahren? Dann sprich` uns an! Wir freuen uns auf Dich!

 

Visionssuche von A – Z: Angst und Selbstsabotage

Visionssuche von A – Z: Angst und Selbstsabotage – von inneren und äußeren Wildschweinen

Träumst Du von wildromantischen Bergen, grandiosen Visionen und einem erfüllten, neuen Leben, wenn Du an die Visionssuche denkst? Dann geht Dir ein wesentlicher Aspekt in der weichgespülten Version verloren, denn Dramen und Konflikte gehören ebenfalls dazu.

Mia und Markus packen aus

Wir teilen mit Dir unsere Ängste und Sabotagemuster, die uns vor und während der Visionssuche überfielen. Denn eines ist sicher: jeder der sich zu dieser Reise aufmacht, wird irgendwann von Ängsten, inneren Widerständen und Sabotagemustern durchgerüttelt.

Markus berichtet über seine Ängste

„Nach der Entscheidung, mich zur Visionssuche in den Bergen anzumelden, fühle ich mich zunächst ganz klar und rundweg positiv. Etwas später überfallen mich Gedanken „Was, wenn wilde Tiere, z.B. Wildschweine, mich anfallen?“ Diese Angst trage ich nun mit mir herum.

Ein paar Mal schon war ich auf Entfernung Wildschweinen begegnet und hatte höchsten Respekt. Ich rede mir ein, dass es wohl darum ginge, sich so in Lebensgefahr zu begeben. Das sei wohl der Preis den ich zahlen müsse, um mir und meinem Anliegen näher zu kommen.  Da die Visionssuche erst ein Jahr später ansteht habe viel Zeit meine Angst heldenhaft mit mir herumzutragen. Erstaunlicherweise unternahm ich auch nichts, um mich näher mit der Realität dieser Ängste zu beschäftigen.

Ein Jahr später. Auf der Visionssuche teile ich meine Ängste mit der Gruppe. Die Leiter lächeln und erklären mir, dass es auf dieser Höhe keine Wildschweine gebe, einzig und allein auf Murmeltieren könne ich meine Ängste projizieren. Später geben sie uns ausführliche Hinweise, wie wir uns verschiedensten Situationen verhalten sollen. Verblüfft stelle ich fest, dass ich ein Jahr lang eine große Angst mit mir herum getragen hatte, die ich sehr schnell hätte aufklären können.

Gar kein so untypischer Umgang mit Ängsten. Ebenso untypisch ist es, dass wir, wenn wir nach dem greifen, was wir wirklich wollen, Ängste auftauchen, die uns davor bewahren und uns in den vertrauten Bahnen belassen wollen.“

Markus berichtet über Selbst-Sabotage 

Markus berichtet weiter: „Wie so oft in meinem Leben habe ich mir gefühlt zu viel aufgehalst. Ein paar Tage vor der Visionssuche beginne ich die Liste mit den benötigten Materialien für die Auszeit anzuschauen. Nun werde ich ärgerlich, wie kann man so eine umfangreiche Liste und so viele Materialien verlangen? Woher soll ich das denn jetzt so Last-Minute noch bekommen? Die Liste hatte ich natürlich schon vor Monaten erhalten.

Gestresst fahre ich in den Baummarkt. Nicht alles bekomme ich in den gewünschten Größen. So ist meine Plane für den Schutz bei Regen wesentlich kleiner, ebenso die Schnüre. Aber ich habe ja nicht viel Zeit.

Mit einem Freund fahre ich los zur Visionssuche. Wir tauschen uns aus über die Vorbereitung. Er hatte sich viel Zeit im Vorfeld genommen, sich informiert und alles sehr ordentlich verpackt. Während wir uns so unterhalten fühle ich mich beschämt, es ist mir peinlich wie nachlässig ich rangegangen war, zum anderen grolle ich mit den Leitern der Visionssuche, und ich bekomme Sorge, dass ich wirklich nicht gut sortiert und vorbereitet bin.

 

das Selbstsabotage-Programm schlägt zu

 

Just in dem Moment durchfährt mich ein Schock: meine Wanderschuhe stehen noch im Flur! Von dem sind wir aber nun zwei Stunden entfernt. Mit Turnschuhen fahre ich los.

Später ein noch größeres Erschrecken als wir unseren eigenen Platz für die Auszeit suchen: laut Voraussage soll es zwei Tage strömend regnen – und meine Plane ist viel zu klein.

Ich teile abends meine Ängste in der Runde und ergebe mich innerlich in mein Schicksal nun auch dem Regen wohl schutzlos ausgeliefert zu sein. Mein Freund kommt mir zur Hilfe, er hat eine zweite große Plane mitgenommen, diese bekomme ich. Das war Glück und Hilfe im letzten Moment.

Natürlich wird mir klar, dass ich dieses Muster der mangelhaften und – mir und anderen gegenüber – verantwortungslosen Vorbereitung immer wieder abspule, wenn es um etwas für mich Wichtiges geht. In meiner Auszeit trete ich bewusst aus diesen Mustern – doch dazu in einem späteren Artikel mehr.

Mia berichtet über ihre Ängste

Nach der Anmeldung zur Visionssuche, die mich zuerst ganz euphorisch in Bildern einer Mia schwelgen ließ, die sehr denen eines weiblichen Indiana Jones glich, bekam ich Muffensausen.

Ich, die noch niemals zuvor gecampt hatte, nie im Zeltlager war oder auch nur ansatzweise Outdoor-Erfahrungen hatte, wollte vier Tage und vier Nächte in der Natur verbringen?

„Alles eine Frage der Vorbereitung“, versuchte ich mich zu beruhigen und begann, mich durch Outdoor-Kataloge zu wühlen, Testberichte über Iso-Matten, Tarps und Schlafsäcke zu checken, Dutzende von Bergstiefeln anzuprobieren und akribisch die Material-Liste abzuarbeiten. Monate zuvor packte und entpackte ich meinen Rucksack und versuchte auf diesem Weg meine Ängste in den Griff zu bekommen. Das ich welche hätte, kam mir gar nicht in den Sinn. Die blendete ich durch wilden Aktionismus aus:

Ich malte mir aus, was ich alles an den Tagen „da Draußen“ unternehmen wollte: Bergwanderungen zur Erkundung meiner Umgebung, Pflanzen sammeln, Steine sammeln für den Wachnacht-Kreis, dazwischen Sonnenbaden für den Teint – ja, ich hatte mir tatsächlich eine „Auszeit-To-Do-Liste“ gebastelt. 

Ich wollte alles unter Kontrolle haben, alles im Griff haben, damit mich nichts unvorbereitet „überfallen“ könnte. 

Mia berichtet über die Gnade, wenn „Etwas“ die Regie übernimmt

Da saß ich nun. Mit durchkreuzten Plänen und einem großen Fragezeichen im Gesicht. Am Nachmittag des ersten Tags, nachdem ich akribisch mein Heim für die nächsten Tage aufgebaut hatte, bekam ich meine Tage. Vollkommen unerklärlich für mich, denn ich hatte das Jahr zuvor bereits keinen Zyklus mehr.  Das brachte mich vollkommen aus dem Konzept. Ich hatte keine Binden oder Tampons mit. Nur vier Päckchen Tempo-Taschentücher. 

 

Visionssuche – manches gilt es auszusitzen

Ich musste es also  „aussitzen“, konnte nicht vor mir weglaufen, musste 100 Stunden mit mir verbringen. Ganz ohne Pläne, ohne To-Do-Listen. 

 

Leben ist das, was passiert,

während Du eifrig dabei bist,

andere Pläne zu machen 

John Lennon

 

Und ich bin dem, was da in meine Pläne eingriff, unendlich dankbar, bei meiner gut getarnten Selbstsabotage nicht mitgespielt zu haben!

Und wo haben sich Deine inneren Wildsäue versteckt?

Welche Ängste kommen Dir, wenn Du daran denkst, was Du wirklich tief im Inneren möchtest?

Wie sabotierst Du Dich immer wieder selbst, wie lenkst Du Dich davon ab, das zu tun was Du als richtig empfindest?

Im kommenden Artikel gibt es ein Q&A über Einwände, Bedenken, Hinderungsgründe und Abwehrstrategien, die uns bei der Überlegung, ob eine Visionssuche ansteht, überfallen könnten.

Hast Du Lust bekommen, mehr über unsere Visionssuche, die wir im August 2021 anbieten, zu erfahren? Dann sprich` uns an! Wir freuen uns auf Dich!

 

Visionssuche von A bis Z: das Setting

Visionssuche von A bis Z: das Setting

Visionssuche von A bis Z | Heute: das Setting | Wie geht denn Visionssuche? Was mache ich denn da genau? Und wie lange dauert das? Diesen Fragen gehen heute Markus Zielke und ich auf den Grund und berichten über das Setting, die unterschiedlichen Phasen und wofür es sich lohnt, eine Visionssuche zu machen.

Die Struktur der Visionssuche

Die Visionssuche ist ein zehn- bis zwölftägiger Prozess, dessen Wirkkraft jedoch eher Monate, wenn nicht sogar Jahre umfasst. Getragen wird er durch eine klare Struktur, die dem Visionssuchenden ermöglicht, sich ganz auf den inneren Wandlungsprozess einzulassen.

Dennoch ist natürlich jede Visionssuche komplett anders, da es sich um ein höchst individuelles Erleben handelt.

Typischerweise besteht die Visionssuche aus vier Phasen:

  1. DER RUF: Individuell – Anmeldung und Vorbereitung – Der Ruf und der Aufbruch
  2. DIE LOSLÖSUNG: im Basislager in der Gruppe – Intensive Auseinandersetzung – Unterstützung, Klarheit und Ausrichtung – Die Absicht
  3. DAS ÜBERGANGSRITUAL: Individuell – Vier Tage & vier Nächte Auszeit – Die Bestätigung der Absicht
  4. DIE INTEGRATION: im Basislager in der Gruppe – Würdigung und Vorbereitung für die Rückkehr in das individuelle Leben

 

Phase 1 „Der Ruf“

Vor der Anmeldung steht ein ausführliches Gespräch mit dem Leiter der Visionssuche.

Mit der Anmeldung steht eine erste schriftliche Erklärung an: wo stehe ich zur Zeit – und warum reizt mich die Visionssuche?

Vor der Visionssuche bitten wir Dich,  eine eintägige  Medizinwanderung zu machen. Hier wirst Du dazu eingeladen, einen Tag in der Natur zu verbringen – mit Verzicht auf Essen und Kontakt zu anderen. Du lässt Dich von der Frage leiten „Wer bin ich? Wofür lohnt es sich, mich der Herausforderung, vier Tage und Nächte ohne festem Dach überm Kopf und ohne Nahrung, auszusetzen?  

Möchtest Du mehr über das Wesen der Medizinwanderung wissen? Dann komm` in  die  kostenfreie Facebook-Gruppe von Mia, die Dich dort durch monatliche Medizinwanderungen führt, die in einem Zoom-Abendtermin gespiegelt werden.

 

Phase 2 „Die Loslösung“

In den ersten vier Tagen arbeiten wir in einer Gruppe mit den anderen Teilnehmern und den Leitern der Visionssuche und bereiten vor, wofür wir eigentlich in diese Auszeit gehen. Wir schaffen gemeinsam Klarheit: wofür lohnt es sich,  auf Gemeinschaft, auf Nahrung, auf Schutz und in der letzten Nacht auch auf Schlaf verzichten? Was genau will oder muss ich zurücklassen – und was erhoffe ich mir?

Davor steht die Bestandsaufnahme: „wie sieht es denn derzeit in meinem Leben aus?“ Einen großen Teil nimmt die Auseinandersetzung mit dem ein, was es in uns schwer macht, den nächsten Schritt zu gehen..

Bevor es in die eigene Auszeit geht, erfolgt eine sorgfältige Vorbereitung und Instruktion des Ablaufs und der  Sicherheit in den vier Tagen.

Durch ein ausgeklügeltes „Buddy-System“ und der Tatsache, dass die Leiter maximal eine halbe Stunde entfernt im Basis-Lager „wachen“, ist ein Sicherheitsnetz  während der Auszeit aufgespannt..

Mit dieser Phase ist meistens die größte, emotionale Arbeit erledigt!

 

Phase 3 „Das Übergangsritual“

Nun geht es darum, durch einen gezielten Verzicht, sich und der Welt zu demonstrieren: ich stehe für mein Vorhaben ein!

Jeder der in die Auszeit geht, verzichtet für vier Tage auf Folgendes:

  • Nahrung (Wasser nimmt jeder reichlich mit an seinen Platz)
  • Schutz (kein Zelt, aber ein Schlafsack, Isomatte und eine Plane gegen Regen)
  • Gemeinschaft (keine Kontakte, auch nicht i-Phone o.ä.)
  • In der letzten Nacht verzichtet man auf den Schlaf

Wir geben also Gewohnheiten her, die für uns „selbstverständlich“ sind. Dadurch kommen wir zum einen viel stärker in den Kontakt mit uns selbst und mit der Natur.

Zum anderen, bekräftigen wir in uns den Glauben, dass wir das neue Vorhaben auch wirklich erreichen können – da wir ja auch durch diese vier Tage kommen.

In der Sprache der Lakota bedeutet der Begriff Vision in etwa „Um ein Gesicht flehen“ (s. Franz Redl, Übergangsrituale). Das können wir uns in etwa so vorstellen: ich lasse alte Überzeugungen, Haltungen und Verhaltensweisen los. Mit diesen haben wir uns oft identifiziert: „So bin ich eben.“ Wenn wir diese nun loslassen: wer sind wir denn jetzt?

Durch den abrupten Verzicht verändert sich unser Bewusstsein. Das alltägliche Denken und das Gedankenkarussell verlangsamen sich. Wir werden „durchlässiger“ für Botschaften unseres Unbewussten und unserer Intuition. Wir nehmen unseren Körper bewusster war. Wir hören und sehen die Natur und die Tiere. Wir lauschen, was uns die Natur über uns erzählt.

Das Zeitgefühl verändert sich in den vier Tagen.

Phase 4 „Die Integration“

Nach der letzten, durchwachten Nacht kehren die Teilnehmer ins Basislager zurück.

Nun werden die einzelnen Erlebnisse in einem rituellen Raum erzählt – und von den Leitern zurückgespiegelt. Dieser Akt, die eigenen Erlebnisse zu berichten – und dann zu erfahren, dass man als ein Anderer zu dem vor der Auszeit „gesehen“ und „wahrgenommen“ wurde – das alleine hat eine große Wirkung.

In den anschließenden Tagen bereiten sich die Teilnehmer auf den Wiedereintritt in den Alltag vor: „wie nehme ich die Erkenntnisse und den Vorsatz mit in den Alltag? Wie begegne ich meinem engen Umfeld? Wie gehe ich damit um, wenn es mal nicht so leicht gelingt mit der Umsetzung?“

Feierlich wird die Zeit der Visionssuche beendet. Doch jetzt beginnt erst die Veränderungsreise denn das Neue will gelebt werden!

Was ist die Visionssuche für Dich, Markus Zielke?

Die Visionssuche ist eine Einladung, die Zeit eines Übergangs sehr bewusst zu gestalten und die notwendige innere Kraft zu erfahren, den notwendigen Schritt in das Neue zu gestalten.

Die intensive Arbeit in der Zeit der Visionssuche berührt immer Fragen, die mit unserer Selbstdefinition, mit unserer Identität – und unseren Beziehungen zu anderen und zur Welt zu tun haben.

In etwa sind die hauptsächlichen Fragen: „In radikaler Ehrlichkeit: Wer bin ich heute? Wohin zieht es mich wirklich? Was lasse ich dafür hinter mir?“.

Immer wieder geht es beim Hinter-Uns-Lassen besonders um Konzepte, Selbstdefinitionen aus denen wir herausgewachsen sind und die uns beim Schritt in die nächste Phase nicht mehr dienlich sind.

Die Idee einer solchen Auszeit findet man in allen alten Kulturen und auf allen Kontinenten. Besonders bekannt sind die Übergangsrituale bei der Begleitung vom Jungen zum erwachsenen Mann.

Was ist die Visionssuche für Dich, Mia Brummer?

Was machst Du mit dem Geschenk,  100 Stunden nur für Dich und mit Dir zu verbringen? Das war die Frage, die mich elektrisiert hat. Halte ich es überhaupt aus, so lange mit mir allein zu sein? Kann ich als Stadtpflanze überhaupt „da draussen“ überleben?

Als mich die Natur am ersten Tag meiner Visionssuche in die Arme nahm, da wusste ich, dass ich in ein Jahrtausende altes Initiationsfeld eintrat. Ich hatte das Gefühl, dass all` die, die schon vor mir den Weg der Visionssuche gegangen  waren, mit „dabei“ waren und mich begleiteten.

Das Gefühl, aus der linearen Zeit heraus getreten zu sein, beschreibt meine Zeit des Übergangs. Daher wollte ich die magische Komponente dieser Schwellenzeit hinzufügen.

Wofür lohnt es sich, eine Visionssuche zu machen?

Übergänge können sein:

Bezogen auf Lebensphasen:

  • vom Teenager zum Erwachsenen, vom Erwachsenen zum Älteren Menschen (die berühmte „Lebensmitte“), der Übergang zum Ältesten, Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben

Bezogen auf Berufliche Identitäten:

  • Vom Mitarbeiter zur Führungskraft, Wechsel in größere Führungsaufgaben, Abschied von bisherigen beruflichen Identifikationen, Übergang in Selbständigkeiten

Bezogen auf Lebensthemen:

  • Vom Single zur Beziehung, aus der Beziehungen in Single-Sein, Abschied von der intensiven Vater-/Mutterrolle, Annahme von Krankheiten

 

Im kommenden Artikel erzählen Dir Markus und Mia ganz persönlich von äußeren und inneren Wildschweinen und wie sie mit ihren Ängsten vor und während der Visionssuche umgingen.

Hast Du Lust bekommen, mehr über unsere Visionssuche, die wir im August 2021 anbieten, zu erfahren? Dann sprich` uns an! Wir freuen uns auf Dich!

Visionssuche von A bis Z: der Ruf

Visionssuche von A – Z | Teil I – Der Ruf oder: da geht noch was! 

In der zehnteiligen Artikelreihe Visionssuche von A-Z nehmen Markus Zielke und Mia Brummer die Visionssuche ins Visier. Von A wie „Angst vor der eigenen Courage“ bis Z wie „Zahnpflege zwischen Kuhdung und Mücken“ informieren sie über das Format der Visionssuche und berichten von ihren eigenen Erfahrungen. In Teil I geht es um den Ruf.

Der Ruf oder: da geht noch was! 

Die Visionssuche beginnt nicht erst am ersten Tag in der Vorbereitungszeit im Basis-Lager. Oftmals startet sie bereits monatelang vorher. Da taucht schleichend in inneres Unbehagen auf.  Eines, das man vielleicht anfangs gerne überhört. Viel einfacher ist es doch, sich in bekannten Räumen aufzuhalten. Auf das Bewährte zu setzen. Doch die Fassade beginnt mit dem nun immer lauter werdenden Unbehagen zu bröckeln. Risse werden spürbar und die Suche nach „da geht noch was“ schwappt ins Aussen.

Wie kommt man eigentlich auf die absurde Idee, 4 Tage und Nächte ohne Essen und festem Dach über den Kopf in der Wildnis zu verbringen – und was kann man sich unter „dem Ruf“ vorstellen?

Der Ruf | Markus erzählt:

„Sommer 2012: „Mach doch eine Visionssuche“ – schlug mein Mann Pascal auf einem Spaziergang vor. Vorausgegangen waren etliche Gespräche. Ein schleichendes, leichtes Gefühl der Unzufriedenheit. Immer wieder drehte ich mich im Kreis: was will ich denn wirklich – beruflich und privat?  Zwar war ich in meinem Wahlberuf als Coach und Organisationsentwickler erfolgreich und auch in meiner Beziehung glücklich – und doch nagte etwas. Warum verliere ich meine Ziele immer wieder aus den Augen?  Was sind meine eigenen großen Träume? Wer bin ich wirklich- und was will ich der Welt zurückgeben? Was blockiert mich immer wieder? Da geht noch was!

Bei dem Wort „Visionssuche“ wurde ich hellhörig. 

Als Pascal mir von seiner eigenen Visionssuche und der Auszeit alleine in der Natur erzählte, „wusste“ ich: das ist es!  Das werde ich machen. Da gab es keine Zweifel. Ich wusste es glasklar! Ich spürte: das ist ein solch mächtiges Format bei dem ich so tief gefordert werde! Ich werde mir und dem, was mich in mir blockiert nicht ausweichen können. Die Tatsache, vier Tage alleine in der Natur zu verbringen lockte und schreckte mich zugleich. Die Intention, wirklich einen gravierenden Schritt nach vorne zu kommen, war es mir wert, es auszuprobieren. Unabhängig aber von dieser Kosten-Nutzen-Kalkulation war diese innere Stimme, die sagte „Tu das!“.

 

Visionssuche von A-Z: im Einklang mit Deiner inneren Natur

Die Stimme meiner Intuition, meiner Seele. 

Spontan meldete mich bei Sylvia Koch-Weser für die Visionssuche im Vorarlberg an. Sie sollte im Sommer 2013 stattfinden. Ich hatte also ein Jahr Zeit, daraufhin zu fiebern. Immer wieder tauchten Ängste auf, was mir alles passieren könnte. Dennoch habe ich die Entscheidung für die Visionssuche nie angezweifelt. Es war mir immer klar, dass es wichtig ist, diesen Schritt zu machen – ohne zu wissen, was hinterher passiert.“

Markus und Mia beschreiben das Phänomen „der Ruf“:

Diese innere Stimme hören wir, wenn wir still werden, wenn wir darum bitten – und wenn wir nicht damit rechnen. Sie taucht oft scheinbar plötzlich auf, sie ist klar, sie ist nicht kalkuliert, sie vermittelt ein Gefühl der Stimmigkeit. Wenn wir mit der Intuition verbunden sind, gibt es kein Wanken und auch keine Alternativen. Als „Ruf zur Veränderung“ taucht sie auf, wenn wir lange in einem Zustand ausgehalten haben, der uns langfristig nicht gut tut – der uns nicht wachsen lässt.

Mia ergänzt: …und dieser Ruf lässt sich nicht verdrängen. Er gebiert sich aus den tiefsten Räumen unseres Seins und kein logischer Gedanke kann ihn aufhalten. Er zwickt Dich so lange, bis sämtliche Zweifel durch seine Kraft überflutet werden und Du einfach losmusst! Das ist der Beginn Deiner eigenen Heldenreise, 

 

Visionssuche von A-Z: 4 Tage und 4 Nächte ohne festem Dach über dem Kopf

der Ruf | Mia erzählt:

„2010 stolperte ich über einen Flyer der Volkshochschule, der ein Wochenende von Geseko von Lüpke und Sylvia Koch Weser bewarb, in dem es um das Erleben einer Medizinwanderung ging. Völlig unbedarft meldete ich mich an, einfach, weil mich der Satz: „erlebe Dich im Spiegel der Natur“ rief.

Ich war vollkommen elektrisiert, was die beiden Seminarleiter aus meinem „Schwellengang“ herauslesen konnten und in einem Spiegel teilten. Dieses achtsame Zuhören, das umfassende gesehen- und gespiegelt-werden berührte mich so sehr, dass ich nicht anderes konnte, als mich zur Visionssuche im Jahr darauf anzumelden.

Ich hatte keine Ahnung, was mich da erwarten würde, hatte bis dahin noch nicht einmal gecampt in meinem Leben, doch ich wusste mit jeder Faser meines Seins: ich muss da hin! Etwas Zwingendes hatte mich gepackt, ein Feuer entfacht. Als ob das Echo einer Erinnerung in mir pulsierte und mir zurief: da geht noch was!

 

Visionssuche von A-Z: im Einklang mit dem Puls der Erde

Hörst auch Du den Ruf?

Hast Du in letzter Zeit eine ähnliche innere Stimme vernommen? Eine, die Dir zuruft „Hey, das war noch nicht alles – da geht noch was!“? Dann freuen wir uns, Dir im nächsten Artikel von den „hard facts“ zu berichten: Was ist denn genau eine Visionssuche? Woher kommt sie? Für wen ist sie geeignet? Was kann sie leisten und was nicht.

Bis bald, Mia und Markus

PS: unsere diesjährige Visionssuche findet vom 10.08. – 20.08.2020 statt