Visionssuche von A bis Z: das Setting

Visionssuche von A bis Z: das Setting

Visionssuche von A bis Z | Heute: das Setting | Wie geht denn Visionssuche? Was mache ich denn da genau? Und wie lange dauert das? Diesen Fragen gehen heute Markus Zielke und ich auf den Grund und berichten über das Setting, die unterschiedlichen Phasen und wofür es sich lohnt, eine Visionssuche zu machen.

Die Struktur der Visionssuche

Die Visionssuche ist ein zehn- bis zwölftägiger Prozess, dessen Wirkkraft jedoch eher Monate, wenn nicht sogar Jahre umfasst. Getragen wird er durch eine klare Struktur, die dem Visionssuchenden ermöglicht, sich ganz auf den inneren Wandlungsprozess einzulassen.

Dennoch ist natürlich jede Visionssuche komplett anders, da es sich um ein höchst individuelles Erleben handelt.

Typischerweise besteht die Visionssuche aus vier Phasen:

  1. DER RUF: Individuell – Anmeldung und Vorbereitung – Der Ruf und der Aufbruch
  2. DIE LOSLÖSUNG: im Basislager in der Gruppe – Intensive Auseinandersetzung – Unterstützung, Klarheit und Ausrichtung – Die Absicht
  3. DAS ÜBERGANGSRITUAL: Individuell – Vier Tage & vier Nächte Auszeit – Die Bestätigung der Absicht
  4. DIE INTEGRATION: im Basislager in der Gruppe – Würdigung und Vorbereitung für die Rückkehr in das individuelle Leben

 

Phase 1 „Der Ruf“

Vor der Anmeldung steht ein ausführliches Gespräch mit dem Leiter der Visionssuche.

Mit der Anmeldung steht eine erste schriftliche Erklärung an: wo stehe ich zur Zeit – und warum reizt mich die Visionssuche?

Vor der Visionssuche bitten wir Dich,  eine eintägige  Medizinwanderung zu machen. Hier wirst Du dazu eingeladen, einen Tag in der Natur zu verbringen – mit Verzicht auf Essen und Kontakt zu anderen. Du lässt Dich von der Frage leiten „Wer bin ich? Wofür lohnt es sich, mich der Herausforderung, vier Tage und Nächte ohne festem Dach überm Kopf und ohne Nahrung, auszusetzen?  

Möchtest Du mehr über das Wesen der Medizinwanderung wissen? Dann komm` in  die  kostenfreie Facebook-Gruppe von Mia, die Dich dort durch monatliche Medizinwanderungen führt, die in einem Zoom-Abendtermin gespiegelt werden.

 

Phase 2 „Die Loslösung“

In den ersten vier Tagen arbeiten wir in einer Gruppe mit den anderen Teilnehmern und den Leitern der Visionssuche und bereiten vor, wofür wir eigentlich in diese Auszeit gehen. Wir schaffen gemeinsam Klarheit: wofür lohnt es sich,  auf Gemeinschaft, auf Nahrung, auf Schutz und in der letzten Nacht auch auf Schlaf verzichten? Was genau will oder muss ich zurücklassen – und was erhoffe ich mir?

Davor steht die Bestandsaufnahme: „wie sieht es denn derzeit in meinem Leben aus?“ Einen großen Teil nimmt die Auseinandersetzung mit dem ein, was es in uns schwer macht, den nächsten Schritt zu gehen..

Bevor es in die eigene Auszeit geht, erfolgt eine sorgfältige Vorbereitung und Instruktion des Ablaufs und der  Sicherheit in den vier Tagen.

Durch ein ausgeklügeltes „Buddy-System“ und der Tatsache, dass die Leiter maximal eine halbe Stunde entfernt im Basis-Lager „wachen“, ist ein Sicherheitsnetz  während der Auszeit aufgespannt..

Mit dieser Phase ist meistens die größte, emotionale Arbeit erledigt!

 

Phase 3 „Das Übergangsritual“

Nun geht es darum, durch einen gezielten Verzicht, sich und der Welt zu demonstrieren: ich stehe für mein Vorhaben ein!

Jeder der in die Auszeit geht, verzichtet für vier Tage auf Folgendes:

  • Nahrung (Wasser nimmt jeder reichlich mit an seinen Platz)
  • Schutz (kein Zelt, aber ein Schlafsack, Isomatte und eine Plane gegen Regen)
  • Gemeinschaft (keine Kontakte, auch nicht i-Phone o.ä.)
  • In der letzten Nacht verzichtet man auf den Schlaf

Wir geben also Gewohnheiten her, die für uns „selbstverständlich“ sind. Dadurch kommen wir zum einen viel stärker in den Kontakt mit uns selbst und mit der Natur.

Zum anderen, bekräftigen wir in uns den Glauben, dass wir das neue Vorhaben auch wirklich erreichen können – da wir ja auch durch diese vier Tage kommen.

In der Sprache der Lakota bedeutet der Begriff Vision in etwa „Um ein Gesicht flehen“ (s. Franz Redl, Übergangsrituale). Das können wir uns in etwa so vorstellen: ich lasse alte Überzeugungen, Haltungen und Verhaltensweisen los. Mit diesen haben wir uns oft identifiziert: „So bin ich eben.“ Wenn wir diese nun loslassen: wer sind wir denn jetzt?

Durch den abrupten Verzicht verändert sich unser Bewusstsein. Das alltägliche Denken und das Gedankenkarussell verlangsamen sich. Wir werden „durchlässiger“ für Botschaften unseres Unbewussten und unserer Intuition. Wir nehmen unseren Körper bewusster war. Wir hören und sehen die Natur und die Tiere. Wir lauschen, was uns die Natur über uns erzählt.

Das Zeitgefühl verändert sich in den vier Tagen.

Phase 4 „Die Integration“

Nach der letzten, durchwachten Nacht kehren die Teilnehmer ins Basislager zurück.

Nun werden die einzelnen Erlebnisse in einem rituellen Raum erzählt – und von den Leitern zurückgespiegelt. Dieser Akt, die eigenen Erlebnisse zu berichten – und dann zu erfahren, dass man als ein Anderer zu dem vor der Auszeit „gesehen“ und „wahrgenommen“ wurde – das alleine hat eine große Wirkung.

In den anschließenden Tagen bereiten sich die Teilnehmer auf den Wiedereintritt in den Alltag vor: „wie nehme ich die Erkenntnisse und den Vorsatz mit in den Alltag? Wie begegne ich meinem engen Umfeld? Wie gehe ich damit um, wenn es mal nicht so leicht gelingt mit der Umsetzung?“

Feierlich wird die Zeit der Visionssuche beendet. Doch jetzt beginnt erst die Veränderungsreise denn das Neue will gelebt werden!

Was ist die Visionssuche für Dich, Markus Zielke?

Die Visionssuche ist eine Einladung, die Zeit eines Übergangs sehr bewusst zu gestalten und die notwendige innere Kraft zu erfahren, den notwendigen Schritt in das Neue zu gestalten.

Die intensive Arbeit in der Zeit der Visionssuche berührt immer Fragen, die mit unserer Selbstdefinition, mit unserer Identität – und unseren Beziehungen zu anderen und zur Welt zu tun haben.

In etwa sind die hauptsächlichen Fragen: „In radikaler Ehrlichkeit: Wer bin ich heute? Wohin zieht es mich wirklich? Was lasse ich dafür hinter mir?“.

Immer wieder geht es beim Hinter-Uns-Lassen besonders um Konzepte, Selbstdefinitionen aus denen wir herausgewachsen sind und die uns beim Schritt in die nächste Phase nicht mehr dienlich sind.

Die Idee einer solchen Auszeit findet man in allen alten Kulturen und auf allen Kontinenten. Besonders bekannt sind die Übergangsrituale bei der Begleitung vom Jungen zum erwachsenen Mann.

Was ist die Visionssuche für Dich, Mia Brummer?

Was machst Du mit dem Geschenk,  100 Stunden nur für Dich und mit Dir zu verbringen? Das war die Frage, die mich elektrisiert hat. Halte ich es überhaupt aus, so lange mit mir allein zu sein? Kann ich als Stadtpflanze überhaupt „da draussen“ überleben?

Als mich die Natur am ersten Tag meiner Visionssuche in die Arme nahm, da wusste ich, dass ich in ein Jahrtausende altes Initiationsfeld eintrat. Ich hatte das Gefühl, dass all` die, die schon vor mir den Weg der Visionssuche gegangen  waren, mit „dabei“ waren und mich begleiteten.

Das Gefühl, aus der linearen Zeit heraus getreten zu sein, beschreibt meine Zeit des Übergangs. Daher wollte ich die magische Komponente dieser Schwellenzeit hinzufügen.

Wofür lohnt es sich, eine Visionssuche zu machen?

Übergänge können sein:

Bezogen auf Lebensphasen:

  • vom Teenager zum Erwachsenen, vom Erwachsenen zum Älteren Menschen (die berühmte „Lebensmitte“), der Übergang zum Ältesten, Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben

Bezogen auf Berufliche Identitäten:

  • Vom Mitarbeiter zur Führungskraft, Wechsel in größere Führungsaufgaben, Abschied von bisherigen beruflichen Identifikationen, Übergang in Selbständigkeiten

Bezogen auf Lebensthemen:

  • Vom Single zur Beziehung, aus der Beziehungen in Single-Sein, Abschied von der intensiven Vater-/Mutterrolle, Annahme von Krankheiten

 

Im kommenden Artikel erzählen Dir Markus und Mia ganz persönlich von äußeren und inneren Wildschweinen und wie sie mit ihren Ängsten vor und während der Visionssuche umgingen.

Hast Du Lust bekommen, mehr über unsere Visionssuche, die wir im August 2021 anbieten, zu erfahren? Dann sprich` uns an! Wir freuen uns auf Dich!

Visionssuche von A bis Z: der Ruf

Visionssuche von A – Z | Teil I – Der Ruf oder: da geht noch was! 

In der zehnteiligen Artikelreihe Visionssuche von A-Z nehmen Markus Zielke und Mia Brummer die Visionssuche ins Visier. Von A wie „Angst vor der eigenen Courage“ bis Z wie „Zahnpflege zwischen Kuhdung und Mücken“ informieren sie über das Format der Visionssuche und berichten von ihren eigenen Erfahrungen. In Teil I geht es um den Ruf.

Der Ruf oder: da geht noch was! 

Die Visionssuche beginnt nicht erst am ersten Tag in der Vorbereitungszeit im Basis-Lager. Oftmals startet sie bereits monatelang vorher. Da taucht schleichend in inneres Unbehagen auf.  Eines, das man vielleicht anfangs gerne überhört. Viel einfacher ist es doch, sich in bekannten Räumen aufzuhalten. Auf das Bewährte zu setzen. Doch die Fassade beginnt mit dem nun immer lauter werdenden Unbehagen zu bröckeln. Risse werden spürbar und die Suche nach „da geht noch was“ schwappt ins Aussen.

Wie kommt man eigentlich auf die absurde Idee, 4 Tage und Nächte ohne Essen und festem Dach über den Kopf in der Wildnis zu verbringen – und was kann man sich unter „dem Ruf“ vorstellen?

Der Ruf | Markus erzählt:

„Sommer 2012: „Mach doch eine Visionssuche“ – schlug mein Mann Pascal auf einem Spaziergang vor. Vorausgegangen waren etliche Gespräche. Ein schleichendes, leichtes Gefühl der Unzufriedenheit. Immer wieder drehte ich mich im Kreis: was will ich denn wirklich – beruflich und privat?  Zwar war ich in meinem Wahlberuf als Coach und Organisationsentwickler erfolgreich und auch in meiner Beziehung glücklich – und doch nagte etwas. Warum verliere ich meine Ziele immer wieder aus den Augen?  Was sind meine eigenen großen Träume? Wer bin ich wirklich- und was will ich der Welt zurückgeben? Was blockiert mich immer wieder? Da geht noch was!

Bei dem Wort „Visionssuche“ wurde ich hellhörig. 

Als Pascal mir von seiner eigenen Visionssuche und der Auszeit alleine in der Natur erzählte, „wusste“ ich: das ist es!  Das werde ich machen. Da gab es keine Zweifel. Ich wusste es glasklar! Ich spürte: das ist ein solch mächtiges Format bei dem ich so tief gefordert werde! Ich werde mir und dem, was mich in mir blockiert nicht ausweichen können. Die Tatsache, vier Tage alleine in der Natur zu verbringen lockte und schreckte mich zugleich. Die Intention, wirklich einen gravierenden Schritt nach vorne zu kommen, war es mir wert, es auszuprobieren. Unabhängig aber von dieser Kosten-Nutzen-Kalkulation war diese innere Stimme, die sagte „Tu das!“.

 

Visionssuche von A-Z: im Einklang mit Deiner inneren Natur

Die Stimme meiner Intuition, meiner Seele. 

Spontan meldete mich bei Sylvia Koch-Weser für die Visionssuche im Vorarlberg an. Sie sollte im Sommer 2013 stattfinden. Ich hatte also ein Jahr Zeit, daraufhin zu fiebern. Immer wieder tauchten Ängste auf, was mir alles passieren könnte. Dennoch habe ich die Entscheidung für die Visionssuche nie angezweifelt. Es war mir immer klar, dass es wichtig ist, diesen Schritt zu machen – ohne zu wissen, was hinterher passiert.“

Markus und Mia beschreiben das Phänomen „der Ruf“:

Diese innere Stimme hören wir, wenn wir still werden, wenn wir darum bitten – und wenn wir nicht damit rechnen. Sie taucht oft scheinbar plötzlich auf, sie ist klar, sie ist nicht kalkuliert, sie vermittelt ein Gefühl der Stimmigkeit. Wenn wir mit der Intuition verbunden sind, gibt es kein Wanken und auch keine Alternativen. Als „Ruf zur Veränderung“ taucht sie auf, wenn wir lange in einem Zustand ausgehalten haben, der uns langfristig nicht gut tut – der uns nicht wachsen lässt.

Mia ergänzt: …und dieser Ruf lässt sich nicht verdrängen. Er gebiert sich aus den tiefsten Räumen unseres Seins und kein logischer Gedanke kann ihn aufhalten. Er zwickt Dich so lange, bis sämtliche Zweifel durch seine Kraft überflutet werden und Du einfach losmusst! Das ist der Beginn Deiner eigenen Heldenreise, 

 

Visionssuche von A-Z: 4 Tage und 4 Nächte ohne festem Dach über dem Kopf

der Ruf | Mia erzählt:

„2010 stolperte ich über einen Flyer der Volkshochschule, der ein Wochenende von Geseko von Lüpke und Sylvia Koch Weser bewarb, in dem es um das Erleben einer Medizinwanderung ging. Völlig unbedarft meldete ich mich an, einfach, weil mich der Satz: „erlebe Dich im Spiegel der Natur“ rief.

Ich war vollkommen elektrisiert, was die beiden Seminarleiter aus meinem „Schwellengang“ herauslesen konnten und in einem Spiegel teilten. Dieses achtsame Zuhören, das umfassende gesehen- und gespiegelt-werden berührte mich so sehr, dass ich nicht anderes konnte, als mich zur Visionssuche im Jahr darauf anzumelden.

Ich hatte keine Ahnung, was mich da erwarten würde, hatte bis dahin noch nicht einmal gecampt in meinem Leben, doch ich wusste mit jeder Faser meines Seins: ich muss da hin! Etwas Zwingendes hatte mich gepackt, ein Feuer entfacht. Als ob das Echo einer Erinnerung in mir pulsierte und mir zurief: da geht noch was!

 

Visionssuche von A-Z: im Einklang mit dem Puls der Erde

Hörst auch Du den Ruf?

Hast Du in letzter Zeit eine ähnliche innere Stimme vernommen? Eine, die Dir zuruft „Hey, das war noch nicht alles – da geht noch was!“? Dann freuen wir uns, Dir im nächsten Artikel von den „hard facts“ zu berichten: Was ist denn genau eine Visionssuche? Woher kommt sie? Für wen ist sie geeignet? Was kann sie leisten und was nicht.

Bis bald, Mia und Markus

PS: unsere diesjährige Visionssuche findet vom 10.08. – 20.08.2020 statt

Die sieben Bewusstseinstufen der Inka-Tradition

Die sieben Bewusstseinsstufen der Inka-Tradition offenbaren ein tiefes Verständnis von Entwicklungsphasen und vermitteln uns ein ganz klares und verständliches Konzept. Ihre These: Entwicklung findet in sieben Bewusstseinsstufen statt.

Dieses Konzept kann man meiner Meinung nach sowohl individuell als auch kollektiv anwenden, um persönliche Entwicklungsschritte zu erkennen um sich dadurch selbst zu verorten oder auch um kulturelle Entwicklung zu beschreiben.

Gemäß diesem Konzepts befinden wir uns sowohl individuell als auch kulturell auf der dritten Bewusstseinsebene auf dem Sprung zur vierten – Abweichungen nach oben und unten gibt es dabei selbstverständlich auch.

Ich möchte heute die Entwicklungen bis zur vierten Stufe etwas genauer erforschen und habe sie sowohl die persönliche Entwicklung als auch die kulturelle Entwicklung unter die Lupe genommen:

Die sieben Bewusstseinstufen der Inka-Tradition – Stufe 0 Persönliche Entwicklung – Stufe „0“

Zu Beginn der Entwicklung, bevor man die erste Stufe erklimmt, ist man erst einmal auf dem Boden, der Erdoberfläche. Der Mensch kommt als Baby zur Welt, wird unter den wachsamen Augen der Eltern zum Kleinkind, dessen Welt aus der Wohnung, dem Haus, dem Spielplatz und vielleicht auch einem Garten besteht – das ist seine Welt – darüber hinaus kommt es nicht. Es ist noch ein kleiner Bewegungsradius, in dem es wunderschöne Dinge zu entdecken gibt, aber auch Gefahren, die auf einen lauern. Doch Mama und Papa räumen, Messer, Gabel, Schere, Licht weg. Man muss sich um nichts sorgen und fühlt sich geborgen in dieser kleinen Welt.

Wenn man auf Stufe „0“ steckenbleibt

Was passiert, wenn ein Mensch auf dieser Stufe bleibt, sich nicht herausentwickelt: Wenn sich ein Mensch aus dieser Ebene nicht herausentwickelt, dann ist er als Erwachsener ein Mensch der sich aus seiner Bewusstseinsebene heraus nicht groß verpflichtet, engagiert oder einlässt, eher launisch und den eigenen Emotionen ausgeliefert, dem langweilig ist, weil er nichts aus sich selbst heraus kreieren kann, einer der auf Modeströmungen aufspringt, der sich in der Masse aufgehoben fühlt, der nichts aus eigenem Antrieb macht, sondern, weil es eben „in“ ist.

Die Kultur der Stufe „0“

Kulturell würde ich diese lange, lange Entwicklungsebene des Menschen dem des Matriarchats zuordnen. Da gibt es die große Göttin, die Leben gibt und Leben nimmt. Die große Mutter, die alles in ihrem Schoß gebärt, die ihre Kinder nährt, manchmal auch zornig ist und auch mal Plagen schickt, wenn man nicht „brav“ war. Das Leben findet in Clans statt: es herrscht Gemeineigentum und die Beute wird mit allen Mitgliedern geteilt. Der Individualismus ist den meisten Naturvölkern unbekannt und unverständlich. Das Zusammenleben wird durch soziale Normen als ungeschriebene Gesetze geregelt, die nur selten gebrochen werden.

 

Die sieben Bewusstseinstufen der Inka-Tradition – Stufe I: Persönliche Entwicklung – Stufe „I“

Das Kind entwickelt sich zum Jugendlichen, erweitert seinen Erlebensradius, entwindet sich dem elterlichen Griff, kommt vielleicht zum ersten Mal in das nächstgrößere Dorf, lernt neue Menschen und Sichtweisen kennen. Das ist einerseits aufregend, andererseits macht das auch unsicher. Da gibt es eine Menge Selbstzweifel und man schwankt in dieser Zeit oft zwischen Himmelhoch Jauchzend zu Tode betrübt, zwischen Schwarz und weiß, zwischen Selbstakzeptanz und Selbstkritik, zwischen Größenwahn und Selbstverleugnung. Nach Außen eignet man sich dann eine Persönlichkeit an, eine Maske, die Selbstsicherheit gibt.

„Ich allein weiß, wie es richtig geht“.

Dahinter steckt der unsichere Anführer, der seiner Clique sagt, wo`s lang geht der aber tief im Inneren Angst hat, das er „auffliegt“, das Irgendjemand erkennen könnte, dass er ein „Blender“ ist.

Wenn man auf Stufe „I“ steckenbleibt

Bleibt man als Erwachsener hier hängen, so ist man dazu gezwungen, diese Maske jeden Tag zu füttern, damit man seinen Status nicht verliert. Eine Maske, die mittlerweile so mit seinem Kern verklebt, dass man sie nicht mehr als Maske erkennt. Man herrscht in seinem Reich mit eisener Konsequenz. Und alles, und jeder, der gegen einen ist, wird platt gemacht. Ein erwachsener Despot, der gegen jeden in Krieg zieht, der ausbeutet, plündert, brandschatzt um sein Territorium zu erweitern.

Die Kultur der Stufe „I“

Durch die Migration einzelner Familien und die Aufnahme von Mitgliedern fremder Herkunft lösen sich Clangemeinschaften auf und verändern sich zu Dorfgemeinschaften. Die Dorfmark bezieht sich auf ein festgelegtes Gebiet und definiert so eine territoriale Gemeinschaft. Die Ausdehnung des Territoriums erreichten die Anführer, deren Persönlichkeit ich eben beschrieben habe:

sie beuten aus, plündern, brandschatzen um ihr Territorium zu erweitern. Die Besiegten werden entweder ermordet oder versklavt. Man benutzt sie und wirft sie weg, wenn sie nicht mehr dienlich sind. Status wird durch Macht erlangt. Hier ist meiner Meinung nach der Wechsel vom Matriarchat zum Patriarchat.

 

Die sieben Bewusstseinstufen der Inka-Tradition – Stufe II Persönliche Entwicklung – Stufe „II“

Die zweite Ebene kann man anhand eines jungen Erwachsenen beschreiben, der aus der Enge seines Dorfes herausgekommen ist und Erfahrungen in der großen Stadt gesammelt hat. Er weiß, dass es unterschiedliche Überbegriffe gibt und hat dafür für sich Schubladen kreiert. Er kann unterschiedliche Situationen und Erfahrungen in diese Schubladen stecken, weiß, dass für ihn verschiedene Dinge wichtig sind, kann sie aber untereinander nicht in Beziehung setzen. Für ihn ist dann zum Beispiel Geld wichtig, Beziehung ist auch wichtig, Sport ist wichtig und auch Gesundheit. Wie diese Begriffe zusammenhängen, sich bedingen, kann er nicht definieren.

Wenn man auf Stufe „II“ steckenbleibt

Bleibt ein Mensch auf der zweiten Ebene stecken, wird er die Welt weder empathisch noch fürsorglich wahrnehmen. Die Welt ist ein Selbstbedienungsladen, in dem sich der Stärkere bedienen kann. Je mehr man hat, je mehr man hortet, je mehr Materie man anhäufen kann, umso besser. Dass man die dann wieder in die Gesundheit stecken muss, weil man sich selbst ausbrennt, kann nicht in Bezug gesetzt werden. Es gibt immer noch schwarz und weiß, jedoch auch eine Differenzierung in unterschiedliche Schubladen.

Die Kultur der Stufe „II“

Die Menschheit erweitert ihren Aktionsradius in fremde Welten: Afrika, Amerika, Asien,der Handel erblüht, jedoch  in kolonialer Form. Die  selbsternannten Herrenrassen überlagern die Kultur, die Sprache, die Religion und Symbole der originären Völker. Die Natur ist für sie ein Selbstbedienungsladen, der ausgebeutet werden kann und auch die drin lebenden Völker.

 

Die sieben Bewusstseinstufen der Inka-Tradition – Stufe III Persönliche Entwicklung – Stufe „III“

Nun wird der junge Erwachsene zum Erwachsenen, hat unterschiedliche Länder bereist, andere Länder und andere Gewohnheiten kennengelernt, fühlt sich als Weltbürger und sein Resüme ist: „Wie großartigl, dass ich Brite, Deutscher, Franzose bin! Ich bin die Krone der Schöpfung und gehöre der Elite an! Er sieht sich zwar als Teil der Weltbevölkerung, ist dabei im Feld von Wertung, Bewertung, Aufwertung seiner Gesellschaftsschicht bei gleichzeitiger Abwertung aller anderen, die nicht so sind wie er selbst und nimmt sich als einen besonderen Teil wahr. Er ist also Teil, aber auch irgendwie ein wichtigerer Teil.

Wenn man auf Stufe „III“ steckenbleibt

Nach Aussen hin kompromissbereit, dialogbereit, kooperativ, jovial aber nur bis zu einem gewissen Punkt, solange die eigenen Bedürfnisse befriedigt werden. Hinterrücks wird an der Stellung des Konkurrenten gesägt, heimliche Bündnisse geschmiedet aber keine Konflikte offenen ausgetragen. Es wird hinter dem Rücken gelästert, nach vorne gelächelt, nach oben gekatzbuckelt, nach unten getreten. Aber alles irgendwie so verdeckt, dass man immer das Gesicht wahrt.

Die Kultur der Stufe „III“

Begonnen hat die dritte Stufe während der Industrierevolution bis heute. Die Menschheit glauben, dass sie die Natur dominiert und nicht von ihr abhängig ist. Wir glauben durch unsere ökologische Haltung bereits auf der vierten Stufe zu sein. Wir produzieren Elektroautos, bauen ökologisch, Trennen den Müll, aber die Ozeane sind voller Plastik. Tiere und Pflanzen sterben aus. Eigentlich ist unser Handeln nur Schminke. Wir bekommen so viele Hinweise wie z.B. der Klimawechsel, aber wir handeln nicht.

Die sieben Bewusstseinstufen der Inka-Tradition – Stufe IV             Wie denkt nun die vierte Ebene? Wie nimmt die vierte Ebene die Natur wahr?

Die vierte Ebene sagt: “ ich bin Natur. Und zwar immer und jederzeit. Ich muss nicht draußen in der Natur sein um mich als Natur wahrzunehmen. Ich bin in Verbindung und zwar immer und zu jederzeit., auch wenn ich zum Beispiel in einem Großraumbüro sitze. In mir spiegelt sich die Natur weil ich Natur bin. Und: ich sehe in allem, was mir begegnet, Natur. Ich bin fähig Brücken zu bauen zwischen unterschiedlichen Sichtweisen, Weltbildern, Religionen, Anschauungen. Ich versuche den gemeinsamen Nenner zu finden, nicht das, was uns trennt.

Jeder Wechsel auf eine höhere Stufe heißt, das vorhergehende Konzept loszulassen, auch wenn ich nicht sicher sein kann, die nächste Stufe zu erreichen. Hat man so ein Treppengeländer wie dieses Stufenmodell, dann ist es wesentlich einfacher, die vorhergehende vermeintliche Sicherheit zu verlassen um sich auf den Weg zur nächsten Ebene zu begeben.

Meiner Meinung nach steht nun der Wechsel von „ich bin ein Teil der Natur“ zu „ich bin Natur“ an. Der Wechsel von der dritten Ebene auf die vierte Ebene. Der Wechsel von dem wertenden Status, Teil eines Ganzen zu sein. Jedoch mit dem Bewusstsein, möglicherweise besser oder wichtiger oder wertvoller zu sein, hin zum tiefenökologischen Weltverständnis.

Die Inka Tradition bietet da ganz klare Hilfestellungen an, sie stellt uns einen Kompass zur Verfügung, mit dem wir uns in unserer Lebenslandschaft orientieren können und auf diese Weise der Wechsel gelingen kann und zwar ohne Angst, ohne Panik, ohne das Gefühl, den Halt zu verlieren.

Ist man sich der natürlichen Gesetzmäßigkeiten bewusst, hat man erkannt, dass man bereits im bisherigen Leben schon viele dieser Wandelzeiten erlebt und überwunden hat, dann wächst damit das Vertrauen, alles bei sich zu haben, um die Krisenzeiten, die an jedem Anfang persönlichen Wachstums stehen gut zu durchleben. Denn nur so geht`s: läuft man davor weg, wird der Wandel abgebrochen. Und eine abgebrochene Initiationsphase endet oftmals in der Depression oder zumindest im hilflosen Opfer-Status.

Unsere Seele hat den unbedingten Wunsch, sich zu entfalten, will sich in all ihren Facetten erforschen: im materiellen, emotionalen, mentalen und spirituellen Sein und

Unsere Seele will sich weiten! Aus einem egozentrierten Tun um Anerkannt und geliebt zu werden in ein seelenzentriertes Sein wachsen.

Von der dritten Ebene auf die vierte Ebene. Vom Bewusstsein, Teil der Natur zu sein, in das Erleben kommen, Natur zu sein.

Auf welcher Ebene siehst Du Dich? Definierst Du Dich als über der Natur stehend als Teil der Natur oder bist Du Natur?

Nein, Du bist kein TEIL der Natur!

Du bist kein Teil der Natur, Du bist Natur! 

Das ist der evolutionäre Sprung, der JETZT gerade ansteht. Ein Bewusstseins-Wandel, ohne den wir die Krise nicht als Sprungbrett in eine neue Wertewelt nutzen können. Ein Sprung, der wichtiger denn je ist, wenn wir uns einem tiefenökologischen Weltbild öffnen wollen, und nicht wieder in die „Norm-alität“ zurückfallen wollen.

Diese gewagte These möchte ich heute mit euch genauer anschauen

Ich möchte euch auf eine Reise mitnehmen, die unsere persönliche Entwicklung und unsere kulturelle Entwicklung erforscht und dabei unser Verhältnis zur Natur unter die Lupe nimmt. Damit wir verstehen, wo es in unserer persönlichen und kulturellen Entwicklung hingehen soll, damit wir dem Ruf der Tiefenökologie folgen können.

Jetzt werdet ihr mich vielleicht fragen: „Was ist denn Tiefenökologie?“ Lasst uns den Begriff etwas genauer anschauen:

Tiefenökologie ist etwas, das viele von euch bereits Tag für Tag leben, ohne es mit dem Begriff zu verbinden. Es ist eine spirituelle, „ganzheitliche” Umwelt- und Naturphilosophie, die ein Leben im Einklang mit der Natur anstrebt.

Der norwegische Philosoph Arne Ness hat Anfang der 70er Jahre diesen Begriff geprägt: Er sagt: es geht dabei um ökologische Harmonie und ökologisches Gleichgewicht. Dabei geht es nicht nur darum, schonend mit Umweltressourcen umzugehen, wie der Begriff Ökologie verwendet wurdet.

Es geht darum vier Faktoren zu vereinen, nämlich

  • das Denken,
  • das Fühlen
  • das Handeln
  • und die Spiritualität, also die Verbindung mit allem und zu allem, was ist.

Arne Ness sagt: Der Mensch soll sich seiner Rolle als „Bewahrer“ seiner eigenen Welt bzw. Lebensgrundlage bewusstwerden.

Es geht dabei auch um die Frage, wie wir eine andere, menschlichere Lebensart gestalten können, eben sich nicht mehr als Krone der Schöpfung zu sehen und sich damit das Recht zu geben, die Natur auszubeuten, sich ihrer ohne Maß und Ziel zu bedienen.

Es geht dabei auch um Empathie für alles Lebendige, um eine „biosphärische Gleichheit“ herstellen zu können.

Im wissenschaftlichen Rahmen ist die Tiefenökologie von der Gaia-Hypothese inspiriert. Die besagt: Die Erde ist ein bewusster, lebender Organismus. Ich füge hinzu: mit dem man folglich auch Kontakt aufnehmen und in Verbindung treten kann.

Das Spannende ist: Alle diese neuen, visionären Theorien stimmen mit einem Weltbild überein, das bereits seit über 500 Jahre existiert und lange Zeit in Vergessenheit geraten ist: Der Kosmovision der andinen Tradition, insbesondere der Inka-Tradition. Die erkannte schon damals: Wir leben in einer Welt von lebendiger Energie. Sie nennen das auf Quechua, der Sprache der andinen Region, die auch heute noch, neben Aymaraf gesprochen wird:

KAUSAY PACHA – dabei ist Kausay: lebendige Energie und Pacha: Raum und Zeit.

Alles ist Energie, alles besteht aus lebendiger Energie und zwar in Fülle

Der Berg, die Pflanze, der Tisch, die Sterne, ich, Du, der See – alles ist lebendige Energie und überall herrscht ein Austausch.

Alles, was aus Energie besteht, strahlt Energie ab, ist umhüllt von Energie und in Hülle und Fülle vorhanden. Gehe ich in Kontakt mit der lebendigen Energie, verbinde ich mich, kann ich aus der Fülle schöpfen.

In unserer westlichen Welt leben wir ja eher im Bewusstsein, das Alles knapp ist, alles hart erkämpft werden muss, dass nur harte Arbeit zum Ziel führt. Neid und Missgunst kommen durch den Knappheitsgedanken auf, Wertung entsteht und dadurch Trennung.

Die andine Tradition lehrt hingegen:

Du musst nicht irgendwie sein um Dich verbinden zu dürfen. Du kannst Dich einfach verbinden und die Fülle der lebendigen Energie zu erfahren und in Austausch gehen, denn auch Deine Energie ist ein wichtiger Teil, der Wissenswertes enthält: Deine Erfahrungen, Dein Erleben, Deine Weisheit. Im Austausch verbindest Du Dich mit dem Fluss des Lebens.

Was glaubst Du: welches Weltbild ermöglicht es eher, ein Leben in Harmonie und Fülle zu leben? Erlaube ich mir die Welt als einen Ort wahrzunehmen, in dem ein kontinuierlicher Austausch von Energien stattfindet,  dem es gut tut, wenn harmonische Verbindungen entstehen, den ich unterstützen kann, wenn ich lerne, ausgleichende Fähigkeiten zu entwickeln, dann kann ich mir und anderen helfen, zu einer dem Leben dienenden Gemeinschaft zusammen zu wachsen.

Das ist pure, gelebte Tiefenökologie!

Als Orientierung für persönliches Wachstum war seit jeher die Natur maßgebend. Um persönlich zu wachsen, musste man erst einmal den Boden erforschen, überprüfen, ob er erst noch vorbereitet, gedüngt und bearbeitet werden musste, damit er überhaupt einen Samen aufnehmen konnte

Man muss auf den richtigen Zeitpunkt warten, muss wissen, welche Pflanze man wo ziehen kann, muss erlernen, dass zum Beispiel, die Keimruhe mit zum Wachstumsprozess gehört, dass Wachstum bereits stattfindet, auch wenn man im Außen noch nichts sieht.

Inwieweit muss ich mich um die Pflanze kümmern? Zuwenig bedeutet, dass das Neue nicht gedeihen kann, zuviel bedeutet, dass die Pflanze nicht stark genug werden wird, um eigenständig zu überleben.

Wieviel Erde, Wind, Sonne, Wasser benötigt die Pflanze? Wann ist es Zeit, Wasserschösslinge abzuschneiden damit die Frucht heranreifen kann? Wann ist die richtige Zeit zu ernten und wie ist die Frucht zu verarbeiten, dass sie nicht verdirbt und mir als Vorrat für den Winter dient oder als Saatgut für die nächste Wachstumsphase?

Solange ich mich nur als Teil der Natur definiere, nicht als Natur, solange werde ich Naturgesetze nicht als meine Lebensgrundlage sehen,  sondern als „Kann“-Gebot, das mal auf mich zutrifft, die meiste Zeit aber nicht.

Wir sind eingewoben in den immerwährenden Zyklus. Wenn wir unseren inneren Frühling, Sommer, Herbst und Winter in uns entdecken, die den Jahreszeiten innewohnenden Kräfte nutzen und leben, dann verstehen wir auch, was uns hindert und blockiert, aber auch was uns stärkt und nährt. Dann sind wir kein Spielball von unbekannten Kräften, sondern aktiver Gestalter unseres Lebens und zwar in Harmonie mit unserer Natur.

Für uns, die wir alle im mechanistischen Weltbild aufgewachsen sind, in dem unser Körper auch heute noch von der Schulmedizin als Funktionseinheiten definiert wird, dessen Symptome nur lange genug unterdrückt werden müssen, um wieder arbeitsfähig zu werden, für uns ist das erst einmal ein ungewöhnlicher Blick, zyklische Wesen zu sein.

Da gibt es nun nicht mehr ein lineares Erleben der Welt, das zwischen Geburt und Tod aufgespannt ist. Das natürlich immer höher, weiter, schneller, größer, erfolgreicher werden muss und sich auf der Jagd nach – immer auf Wachstum gerichteter Ziele – maßlos erschöpft.

Im Erleben einer zyklischen Natur gibt es plötzlich ganz andere Kriterien: Da gibt es Wachstumsphasen aber auch Ruhephasen, die ebenso wichtig sind. Da ist das Scheitern ebenso Teil des Prozesses, kein Aussortierungs-Merkmal, wie im linearen Weltbild, wo nur die Besten gewinnen, in dem es nur EINEN Sieger gibt. Das Scheitern gibt uns da den Impuls zu reifen, tiefer zu werden.

Die Erkenntnis dessen ist einer der Fähigkeiten, die ein Menschen ausmacht, der sich als Natur erfährt.

Die andine Tradition sagt, die persönliche Kraft, die einen Menschen ausmacht, besteht aus drei Faktoren:

  • Yachay – die Fähigkeit zu denken
  • Munay – die Fähigkeit zu Lieben, das zu gehört das Wohlwollen  (Love and Will)
  • Llankay – die Fähigkeit zu handeln

Als vierte Qualität würde ich ergänzen, die Fähigkeit, diese Komplementärenergien harmonisch auszugleichen und zu verbinden.

Erinnert ihr euch an den essentiellen Punkt der tiefenökologischen Definition, den ich zu Beginn beschrieb? Arne Ness sagte, es gehe darum

  • das Denken,
  • das Fühlen
  • das Handeln
  • und Die Spiritualität, also die Verbindung zu allem, was ist, zu vereinen.

Wie komme ich nun dazu, diese Bewusstseins-Ebene aktiv anzusteuern? Tiefenökologie kann man nicht mit „Umdenken“ erreichen. Es geht nicht darum, mal schnell den Radiosender zu wechseln. Das geht ebensowenig wie man eine seit Kindheit erfahrene Religionspraxis durch Konvertierung mal schnell ablegen könnte.

Es geht um ein tiefes Erfahren von Verbindung, ein tiefes Erleben von Verbindung, das im Inneren als absolut Wahrhaftig erlebt wird, um es nicht nur als neues, trendiges Livestyle-Konzept seinem Leben hinzuzufügen.

Wir sind doch immer auf der Suche nach irgendetwas, das uns ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit gibt.

Ein Gefühl, gesehen, akzeptiert und geliebt zu sein, besser zu sein, anders zu sein, einen neuen Input zu erhalten, der uns hilft, irgendwo anzukommen. Und so suchen wir unser Heil in einem gesunden Lifestyle, im neuronalen Bewusstseins-Shaping, in den wie Pilze herausschießenden Optimierungs-Coachings oder vielleicht auch im Waldbaden.

Solange ich mich nur als Teil der Natur definiere, nicht als Natur, solange werde ich Naturgesetze nicht als meine Lebensgrundlage sehen, sondern als „Kann“-Gebot, das mal auf mich zutrifft, die meiste Zeit aber nicht.

Die Inka-Tradition hat auch für das Verständnis von Entwicklungsphasen ein ganz klares und verständliches Konzept. Sie sagt, Entwicklung findet in sieben Bewusstseinsstufen statt.

Dieses Konzept kann man meiner Meinung nach sowohl individuell als auch kollektiv anwenden, um persönliche Entwicklungsschritte zu erkennen um sich dadurch selbst zu verorten oder auch um kulturelle Entwicklung zu beschreiben.

Gemäß diesem Konzepts befinden wir uns sowohl individuell als auch kulturell auf der dritten Bewusstseinsebene auf dem Sprung zur vierten – Abweichungen nach oben und unten gibt es dabei selbstverständlich auch.

Hier möchte ich einen kurzen Einblick in den Unterschied zwischen der dritten und der vierten Stufe geben:

Persönliche Entwicklung – Stufe „III“

Der junge Erwachsene wird zum Erwachsenen, hat unterschiedliche Länder bereist, andere Länder und andere Gewohnheiten kennengelernt, fühlt sich als Weltbürger und sein Resüme ist: „Wie großartigl, dass ich Brite, Deutscher, Franzose bin! Ich bin die Krone der Schöpfung und gehöre der Elite an! Er sieht sich zwar als Teil der Weltbevölkerung, ist dabei im Feld von Wertung, Bewertung, Aufwertung seiner Gesellschaftsschicht bei gleichzeitiger Abwertung aller anderen, die nicht so sind wie er selbst und nimmt sich als einen besonderen Teil wahr.

Er ist also Teil, aber auch irgendwie ein wichtigerer Teil.

 

Wenn man auf Stufe „III“ steckenbleibt

Nach Aussen hin kompromissbereit, dialogbereit, kooperativ, jovial aber nur bis zu einem gewissen Punkt, solange die eigenen Bedürfnisse befriedigt werden. Hinterrücks wird an der Stellung des Konkurrenten gesägt, heimliche Bündnisse geschmiedet aber keine Konflikte offenen ausgetragen. Es wird hinter dem Rücken gelästert, nach vorne gelächelt, nach oben gekatzbuckelt, nach unten getreten. Aber alles irgendwie so verdeckt, dass man immer das Gesicht wahrt.

Die Kultur der Stufe „III“

Begonnen hat die dritte Stufe während der Industrierevolution bis heute. Die Menschheit glauben, dass sie die Natur dominiert und nicht von ihr abhängig ist. Wir glauben durch unsere ökologische Haltung bereits auf der vierten Stufe zu sein. Wir produzieren Elektroautos, bauen ökologisch, Trennen den Müll, aber die Ozeane sind voller Plastik. Tiere und Pflanzen sterben aus. Eigentlich ist unser Handeln nur Schminke. Wir bekommen so viele Hinweise wie z.B. der Klimawechsel, aber wir handeln nicht.

Der Blick auf die Natur aus Stufe „III“

„Ich bin Teil der Natur, ein wichtiger Teil, vielleicht sogar der wichtigste, weil ich eben weiß, dass ich Teil der Natur bin. Da bin ich einem Stein, einer Pflanze, einem Tier oder einem See auf alle Fälle überlegen, denn ICH weiß es. Und als Teil der Natur sage ich Dir, der das vielleicht noch nicht erkannt hat, dass es die beste Möglichkeit sich zu entspannen, draußen in der Natur geht. Ja, die einzige Möglichkeit zu entspannen ist, in die Natur zu gehen.

Solange ich mich nur als Teil der Natur definiere, nicht als Natur, solange werde ich Naturgesetze nicht als meine Lebensgrundlage sehen, sondern als „Kann“-Gebot, das mal auf mich zutrifft, die meiste Zeit aber nicht.

Wie denkt nun die vierte Ebene? Wie nimmt die vierte Ebene die Natur wahr?

Die vierte Ebene sagt: “ ich bin Natur. Und zwar immer und jederzeit. Ich muss nicht draußen in der Natur sein um mich als Natur wahrzunehmen. Ich bin in Verbindung und zwar immer und zu jederzeit., auch wenn ich zum Beispiel in einem Großraumbüro sitze. In mir spiegelt sich die Natur weil ich Natur bin. Und: ich sehe in allem, was mir begegnet, Natur. Ich bin fähig Brücken zu bauen zwischen unterschiedlichen Sichtweisen, Weltbildern, Religionen, Anschauungen. Ich versuche den gemeinsamen Nenner zu finden, nicht das, was uns trennt.

Jeder Wechsel auf eine höhere Stufe heißt, das vorhergehende Konzept loszulassen, auch wenn ich nicht sicher sein kann, die nächste Stufe zu erreichen. Hat man so ein Treppengeländer wie dieses Stufenmodell, dann ist es wesentlich einfacher, die vorhergehende vermeintliche Sicherheit zu verlassen um sich auf den Weg zur nächsten Ebene zu begeben.

Meiner Meinung nach steht nun der Wechsel von „ich bin ein Teil der Natur“ zu „ich bin Natur“ an. Der Wechsel von der dritten Ebene auf die vierte Ebene. Der Wechsel von dem wertenden Status, Teil eines Ganzen zu sein. Jedoch mit dem Bewusstsein, möglicherweise besser oder wichtiger oder wertvoller zu sein, hin zum tiefenökologischen Weltverständnis.

Die Inka Tradition bietet da ganz klare Hilfestellungen an, sie stellt uns einen Kompass zur Verfügung, mit dem wir uns in unserer Lebenslandschaft orientieren können und auf diese Weise der Wechsel gelingen kann und zwar ohne Angst, ohne Panik, ohne das Gefühl, den Halt zu verlieren.

Ist man sich der natürlichen Gesetzmäßigkeiten bewusst, hat man erkannt, dass man bereits im bisherigen Leben schon viele dieser Wandelzeiten erlebt und überwunden hat, dann wächst damit das Vertrauen, alles bei sich zu haben, um die Krisenzeiten, die an jedem Anfang persönlichen Wachstums stehen gut zu durchleben. Denn nur so geht`s: läuft man davor weg, wird der Wandel abgebrochen. Und eine abgebrochene Initiationsphase endet oftmals in der Depression oder zumindest im hilflosen Opfer-Status.

Unsere Seele hat den unbedingten Wunsch, sich zu entfalten, will sich in all ihren Facetten erforschen: im materiellen, emotionalen, mentalen und spirituellen Sein und

Unsere Seele will sich weiten! Aus einem egozentrierten Tun um Anerkannt und geliebt zu werden in ein seelenzentriertes Sein wachsen.

Von der dritten Ebene auf die vierte Ebene. Vom Bewusstsein, Teil der Natur zu sein, in das Erleben kommen, Natur zu sein.

Mal ne Frage:

Auf welcher Ebene siehst Du Dich? Definierst Du Dich als über der Natur stehend als Teil der Natur oder bist Du Natur?

 

Wie uns die Natur hilft, heil zu werden – Teil II

Foto: Mia Brummer

Aufzeichnungen eines Visionssuche-Prozesses von Mia Brummer. Eva, 26 aus Berlin erfährt die Zeit gerade als Umbruchphase, die sie dazu nutzen will, endlich einmal für sich einzustehen und nicht nur für andere da zu sein. Im ersten Teil erlebten wir sie bei ihrer Vorbereitungszeit. Im zweiten Teil berichtet Eva über ihre Platzsuche und die „Solozeit“ in der Natur.

Eva`s Suche nach dem „richtigen Platz“ für ihre Auszeit:

„Ich bin über die Schwelle mit meinem Satz, aber irgendwie habe ich den Teil vergessen, in dem es um Zeit und Raum ging. Ich fühlte mich wieder im Süden, bin dem Bachlauf gefolgt, weil ich mir wünschte, eine Quelle zu finden. Ich fand ne supersüße Mulde aber es hat irgendwas nicht gepasst. Der Raum war nicht da. Das machte mich wütend. Ist es das jetzt oder nicht? Nö, ich habe keinen Raum. Bin weiter und fand einen Platz mit einem Zugang zum Bach und einer Badewanne! Und dann sehe ich einen Kiefernkreis, so rund wie ein Rad, so ein heiliger Platz….so viel Raum nur für mich!!! Das ist alles so rund!!! Ich wollte gar nicht mehr zurück. Jetzt freue ich mich wahnsinnig und bin so stolz, dass ich mich selber im Blick gehabt habe und mir die Zeit genommen habe, den Raum zu finden!“

Am Abend vor der Auszeit schreiben die Teilnehmer ein Gebet, das das Visionssuche-Team während der Auszeit jeden Abend beten.

Evas Gebet: 
„Liebe Erdmutter, ich bin zu Dir gekommen um Deinen Rat zu hören, zu fühlen, zu schmecken und zu sehen. Ich komme mit einem ganz bestimmten Anliegen. Dafür bitte ich um deinen Schutz und deine Geborgenheit um Raum und Zeit für Begegnung und Berührung. Ich bin zu Dir gekommen um in deinen Armen meine alte Haut abzulegen, um dann mit einem neuen Blick auf mich und die Welt wieder hinaus zu ziehen. Bitte begleite mich!“

Und dann geht Eva raus in die Natur. Vier Tage und Nächte hat sie nun Zeit, sich zu häuten und das zu leben, was sie in ihrem Satz verankert hat.

Als sie zurückkommt, erzählt sie ihre Geschichte:

„Als ich gestern von meiner Visionssuche nach Hause ins Basis-Camp gekommen bin, ist mir aufgefallen, dass ich ein Bild dabeihatte, das ich im Juli gemalt hatte, als ich ein sehr schlimmes Gespräch mit meiner Mutter hatte, das meine letzte Illusionsblase geraubt hatte. Ich habe das Bild um einen Stock ergänzt und um ein Tragetuch, um die kleine Eva immer bei mir zu haben.

Ich bin gegangen mit dem Satz: „ich nehme mir den Raum und die Zeit, die kleine Eva fest im Arm zu halten und halte mich und mein Leben achtsam und fürsorglich im Blick“.

Als ich aus dem Bannkreis, äh Steinkreis herausgetreten bin, ist mir ein Salamander vor die Füße gelaufen und gleich erwachte meine kindliche Neugier. Mir war klar: ich wollte meiner Freude und meiner kindlichen Neugier Raum geben. Am Platz bin ich nochmal über die Schwelle und fühlte:
ich war „drin“ und dieser Schutz war bis zum Ende da. Ich hab mich nicht gesehen gefühlt im Kreis, aber “ich muss überhaupt nicht gesehen werden sondern einfach nur mich selber sehen”. Vögel und Insekten waren zwar da, aber auch sofort wieder weg. Draußen, außerhalb meines Kreises bin ich vielen Wanderern begegnet. Das war ok. Ich habe viel Zeit für mich alleine verbracht, hab mich gespürt. Mein Tarp, meine Plane, war mein Rückzugsort, der hundsgemütlich war. Ich habe lang dran gebaut und umgebaut, ein paar echte Wut-Groller losgelassen und am Ende war ich so stolz auf mich als ich`s geschafft habe. Ein Stein war mein Kissen; der perfekte Ort, um ganz lange zu liegen und Gedanken wandern zu lassen. Irgendwann kam der Gedanke: Boah, ich will auch ne Quelle! Ich guck` so nach oben zum Berg und seh` ne Quelle! Ohne Rucksack und Jacke stieg ich zu ihr hoch, stand dann da oben und hab geweint. Auch dieser Säugling, der nicht Willkommen war, der hat ne Quelle und ist zum Bach geworden, hab ich erkannt.

Als ich wieder unten ankam, war ich patschnass und habe gefroren. Ich habe mich ins Bett gelegt, lag da und hab mich gefragt: wer bin ich eigentlich und was macht mich aus?
Am frühesten Morgen war ich wach, hab die Sonne gegrüßt und beschloss, den Tag der Sonne zu widmen und dabei gestaunt, wie sich die Welt doch nach der Sonne und dem Mond richtet. Da hatte ich ne richtig kindliche Ehrfurcht.
Am zweiten Tag hatte ich ein Gespräch mit meiner Mutter. Am dritten Tag hab ich gejubelt voller Freude, dass die Sonne da war. Mir ging es an diesem Tag dann richtig schlecht. Ich war zittrig und schwach. Sobald mein Körper runterkommt, kommen Gefühle. Mein Körper kam ins Fließen. Ich
hab wegen allem geheult und die die Tränentropfen fielen ins Gras. Alles ist da aus mir rausgekommen. Abends ging`s mir richtig schlecht. Gedanken ans Abbrechen kamen, mir war übel, aber ich konnte nichts loslassen. „Du hast versagt“ kam mir in den Sinn. Aber gleich drauf ein ´ich mach noch einen Tag und dann entscheide ich mich´. Dieses Mal aber nicht als Kämpferin sondern fürsorglich und achtsam. In der dritten Nacht habe ich fast nur dem Mond zugeschaut. Ich bin wohl ein Mondkind. Und ich habe mir das Potential meiner Wunde angeschaut.

In mir ist eine Anführerin. Ich hab ein ganz feines Gefühl für Menschen, kann gut reflektieren.
Solange ich die kleine Eva im Blick halte, kann ich der starke Mensch für andere sein.

Foto: Mia Brummer

Auszug aus Spiegel 1: Ich habe die Geschichte einer Frau gehört, die beginnt damit, dass wir ein Bild sehen durften:
die letzte Illusion ist geplatzt: ach, wenn sie mich nur endlich sähe, ach, wenn sie mich nur endlich verstünde! Es ist gut, das in diesem Alter schon zu merken, denn die Jahrzehnte die du jetzt nicht mehr hoffst, schaffen Raum für Neues. Ich kann Enttäuschung und Wut im Gesicht der frau sehen, die lassen sich nicht wegdrücken. Wer bin ich mit meiner Geschichte? Sie ist aus einem Bannkreis getreten, dem Bannkreis, die Gute, die Tolle, die Starke zu sein, die im Modus `UM ZU´ lebte. Um 
Anerkennung zu bekommen von den entscheidenden Menschen: Dem Vater und der Mutter.
Es ging darum, das `UM ZU` abzustreifen.
Der Salamander zeigt den Weg von schwarz zu Feuer. Die Frau sucht und findet einen Ort, wo sie nur auf sich schauen darf. Draußen pulsiert das Leben, damit hat sie kein Problem, ´das kann ich eh´, denkt sie. An ihrem Platz darf sie sich`s richtig gut gehen lassen und so baut sie zig mal um, bis es für sie passt. Was will man mehr? Der Platz ist so wunderbar. Da öffnet sich ein Raum, wo sie rausschauen kann, sieht ihre Quelle, ein fetter Wasserfall, der zu einem Bach wird. Wer bin ich? Auch dieser Säugling hat diese Quelle, die sie trägt, auch sie hat ihren Fluss des Lebens. Wie gern sitzen wir alle an ihrem Bach, trinken von ihrem Wasser, nehmen wahr, wie Freude entsteht… the river is flowing…
Ja, sie spürt die große Mutter, die das große Mütterliche hat, um das sie gebeten hat. Wir können unsere leibliche Mutter ein Stück weit entlasten; durch das Gestrüpp der eigenen Mutter durchschauen. Mit dieser kraft kann sie auch der Mutter alles sagen. So war auch ein Sehen möglich, ohne diese Wut. Sie wird so schwach dass sie denkt: ich muss vielleicht gehen und lässt alles aus sich herausfließen, als ob sie ihr Bächlein mit ihren Tränen speist und nährt. Und dabei überprüft sie: wie geht`s mir wirklich? Ganz schön, wie sie das abwägt.Sie findet den Weg über die kleine Eva, dem zu widerstehen: dem Blick von Außen. Und sie erkennt: Der Blick auf mich ist das Entscheidende. Dann darf sie alles sein, ihr Leben gestalten mit ihrem eigenen Zepter in der Hand, gepaart mit ihrem Feingefühl.

Auszug aus Spiegel 2:
 Ich habe die Geschichte einer Frau gehört, die die kleine Eva fest im Arm halten mag und fürsorglich den Blick auf sich selbst richtet. Die Fürsorge hat mich sehr angezogen in dem Satz. Es hat mich sehr berührt, wie fürsorglich die Frau in den ganzen vier Tagen war. Sie geht aus dem Kreis und der Salamander begrüßt sie. Sie sorgt gut für ihren Platz; einer, an dem sie tief blicken kann aber kein anderer Einblick erhält. Sie konnte mit sich sein, mit ihren Prozessen. Alleine mit sich und es war gut so, sagt sie. Mein Reich, mein Platz, mein Blick. Und sie hat es sich hundsgemütlich gemacht, belohnt mit einem Steinkissen. Der Ruf zur Lebensquelle lässt sie alle Regeln vergessen. Sie geht dem Sehnen noch einmal nach, dem Ruf zu recht auf dieser Welt zu sein, Teil der Quelle zu sein und auch groß zu werden, Klarheit mit sich zu bringen, Teil der Natur zu sein…. es ist auch ihre Quelle und ihr Recht auf Leben. Was macht mich aus, wo liegen meine Schwächen, fragt sie sich. Die Sonne ist da und begrüßt sie. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt und Platz für Orientierung und zu verstehen, wie die Welt läuft – ein Frösteln zeigt, dass da noch was aussteht. Sie ist nun bereit für das Gespräch mit der Mutter, sagt, dass es gut war. Der Körper fahrt runter, kommt gleichzeitig ins Fließen wenn sie loslässt.

Darf sie ganz loslassen? Darf ich abbrechen, darf ich versagen? Es geht um die eigene Fürsorge.
Sie ist auch ein Mondkind….sie sorgt für sich und erkennt: ich kann auch sein und nimmt ihren Platz ein.

Nach diesen magischen Tagen in der Natur, in denen ein neuer Mythos geboren wurde, fällt es den Teilnehmern einer Visionssuche meist schwer, sich aus dieser Traumzeit zu lösen. Wie mag es wohl sein, nach Hause zu kommen? Wie kann das Erlebte im Leben Fuß fassen?
Wie reagiere ich auf Fragen wie „und, hast du jetzt deine Vision?“ Wie kann ich das Erlebte in die Welt bringen, ohne dass ich es entkräfte, entheilige?

Daher ist die Inkorporationszeit nach der Visionssuche eine wichtige Phase, um das Erlebte, die neue Haut auch in den Alltag mitnehmen zu können. „Was könnte dein erster Schritt sein um den Satz zuhause in Dein Leben zu bringen, so dass Du ihn wahrhaftig leben kannst? Was wirst Du tun, so dass ein anderer merkt, dass sich etwas verändert hat? Die Teilnehmer machen sich dabei auf die Suche nach einem ein Schritt, der ein Zeichen setzt: „ich geh den Weg und er ist nicht rückgängig zu machen.“ Ein Mantra und Visualisierungen sind ganz schön, aber da ist keine Bewegung drin; es geht darum, ins Handeln zu kommen. Die Teilnehmer setzen sich zu zweit zusammen und klopfen ihre Ideen gegenseitig ab. Den neuen Handlungen soll die Anstrengung rausgezogen werden. Es soll Freude bereiten, den Satz ins Leben zu bringen, ohne dass sich das Über-Ich gleich wieder draufsetzt und einem alles um die Ohren haut.

Evas erster Schritt:
Ich habe erkannt, dass ich gar keinen Rückzugsort habe. Wenn ich heimkomme, dann baue ich mir eine richtig schöne Kuschelhöhle, einen Ort für mich ganz alleine, da darf niemand rein.

Die letzte Frage am Ende einer Visionssuche gilt dem, was man mitnimmt.

Eva fasst das Erlebte zusammen: „Ich nehme eine sehr große Verbundenheit zu meiner Mutter Erde mit, die ich da draußen in ihrem Schoß ganz intensiv erleben konnte. Und ich nehme eine tiefe Verbundenheit zu mir selber mit. Ich fühle, als wäre alles in mir voll und ganz. Ich bin so glücklich, dass ich mir den Raum und die Zeit gegeben habe, heil zu werden. Und ich habe das Gefühl, dass ich mit beiden Beinen im Leben stehe. Und wenn ich mich mal wieder orientierungslos fühle, dann brauche ich keine Ratgeber sondern ich gehe einfach in die Natur. “

Während ich diese Zeilen schreibe, frage ich mich, wie lange es wohl in einem therapeutischen Setting gedauert hätte, diesen Prozess zu durchlaufen. Das, was ich bei der Begleitung von Visionssuchenden immer wieder erlebe ist, dass der Weg aus einem starren Konzept seiner selbst hin zum Erleben eines authentischen Seins durch die hautnahen Erfahrungen in der Natur abgekürzt wird, ohne dabei die Erkenntnisse zu verwässern. Die Natur wertet nicht. Alles, was ist, darf sein. Und so erlebt sich der Mensch, geborgen in einem viel größeren Kontext, einer viel weiteren Dimension. Er erfährt Zusammenhänge und zwar tief in seinem Ich-Erleben und nicht durch intellektuelles Verarbeiten. Ein Heil-Sein in der Natur, da sich der Mensch als Natur wahrnimmt und begreift.

Mia Brummer

Gerade in herausfordernden Zeiten kann uns die Natur Orientierung und Halt bieten, da sie uns verlässliche Strukturen in dem zyklischen Kontext von Werden und Vergehen aufzeigt. Dazu muss man sich nicht gleich auf Visionssuche begeben. Auch eine Medizinwanderung kann uns auf unserem Weg eine großartige Hilfe sein. Wenn Du mehr über diese Art von Naturübungen wissen möchtest, dann schau auf www.schamanische-seminare.deoder schicke Mia eine Nachricht

Wie uns die Natur hilft, heil zu werden – Teil I



Seit Beginn des Jahres scheint nichts mehr so zu sein, wie es einmal war. Regeln und Normen, die uns Halt gaben, wurden außer Kraft gesetzt. Und die neuen Kriterien scheinen sich fast täglich zu verändern. Kann uns in diesen Zeiten, in denen wir nach verlässlichen Parametern suchen, die Visionssuche helfen, Halt in uns zu finden? Können wir durch die Verbindung in und mit der Natur neue Konzepte finden, die uns dabei helfen, Stabilität in unsicheren Zeiten zu finden?

Eva, 26 aus Berlin erfährt die Zeit gerade als Umbruchphase, die sie dazu nutzen will, endlich einmal für sich einzustehen und nicht nur für andere da zu sein. Sie erzählt: …ich muss mich ständig anpassen. Ich habe keinen Bock mehr, für alle zu kämpfen. Irgendwie ist alles nur im Außen aber nichts in mir drin. Hab das erste Mal selbst Mitgefühl für mich. Frag mich, warum meine Eltern so waren, wie sie waren und sind, hab` eine tiefe Enttäuschung und Wut gegenüber den Beiden. Ich möchte endlich Grenzen schaffen um für mich selbst ein Gefühl zu entwickeln und um mich selbst im Blick zu haben. Und ich habe das Gefühl, das ist jetzt gerade die richtige Zeit, wo sich doch eh alles verändert.“ Eva hat sich daher zu einer Visionssuche angemeldet.

Die äußeren Eckdaten dieser Auszeit in der Natur

Foto: Mia Brummer

Vier Tage bereiten sich die Teilnehmer in einem Basis-Camp auf die „Solo-Zeit“ vor. In diesen Tagen gehen sie auf „Medizinwanderungen“. Die Teilnehmer werden dabei jeweils mit einer Fragestellung in die Natur entsendet. Die Natur dient als Spiegel von Seelenbewegungen, die unweigerlich entstehen, wenn man sich „da draußen“ mit Lebensthemen beschäftigt. Die Geschichten der Medizinwanderungen werden danach im Kreis geteilt und von den Visionssuche-Leitern gespiegelt. Dabei geht es nicht darum, die Geschichten therapeutisch zu analysieren, sondern nach und nach den Mythos des Helden bzw. der Heldin zu gebären, der/die sich auf die Reise gemacht hat, einen inneren Schatz zu heben, der derzeit noch im Verborgenen liegt.

In diesen Vorbereitungstagen wird dabei langsam der „Confirmations-Satz“ gebildet. Ein Satz, der bestätigt, wofür es sich lohnt, diese enorme Herausforderung auf sich zu nehmen. Wofür lohnt es sich, 100 Stunden allein mit sich selbst in der Natur zu verbringen?

Die darauffolgenden vier Tage und Nächte verbringen die Teilnehmer an ihrem selbst gewählten Platz in der Natur. Ohne Essen, ohne Uhr, ohne Handy, ohne festes Dach über dem Kopf, nur mit ausreichend Wasser, einem Schlafsack, einer Isomatte und einer Plane, die sie vor Nässe schützt. Nach der Wachnacht, einer Zeremonie, die in der letzten Nacht gehalten wird, kommen die Teilnehmer am neunten Tag der Visionssuche zurück ins Basis-Camp. In den folgenden drei Tagen geht es um die Integration des Erlebten und um die Frage: und wie kann ich das Neue, das ich „da draußen“ geboren habe, in meinen Alltag mitnehmen?

Die Visionssuche von Eva

Eva hat uns erlaubt, sie während des gesamten Prozesses zu begleiten, ihren Geschichten zu lauschen und auch den Spiegeln zuzuhören, die die Visionssuche-Leiter gegeben haben.

In der ersten Vorstellungsrunde berichtet sie von ihrer Medizinwanderung, die sie zuhause zur Vorbereitung gemacht hat: „Mann, die habe ich schon zu Beginn ganz schön verkackt, denn ich hatte verschlafen. Das Gartentor war meine Schwelle. Dort legte ich einen Schlehenzweig hin – ein bisschen höher, damit andere nicht verletzt werden. Das war mir schon ein guter Spiegel denn damit habe ich mir wieder eingestehen müssen, immer erst mal für andere zu sorgen. Ich stromerte durch die Wälder, kam durch die körperliche Anstrengung ganz schön ins Schwitzen und suchte mir einen Wanderstab, den ich mit Hopfensträngen umwickelte.

Danach setzte ich mich eine Weile hin und kam zur Ruhe. Ich fand Federn und einen Mistkäfer, den ich mir ganz genau angeguckt habe. Tiere faszinieren mich so sehr. Eichensprösslinge haben mich weitergeleitet. Da war ein supergrüner Baum, der sich so viel Platz geschaffen hat. Der Baum faszinierte mich. Ich hab` gedacht, es wäre `ne Eiche, aber verdammt, es war `ne Buche! Ich wollte doch die starke Eiche sein! Dann kam eine lange Etappe des Kampfes: da waren so viele Brennessel und Disteln und meine Hose ging kaputt. Warum schicke ich mich ins Feld? Wo ich doch Heuschnupfen habe und Disteln nicht mag. Danach fand ich eine wunderschöne Wiesenerhebung. Ich zog mich aus. Alles war gepunktet mit roten Flächen. Da hab` ich mich als Frau wahrgenommen, meine Sexualität, hab mich so wohl gefühlt, das war so passend!
Danach fand ich einen Jägerstand. Ich setzte mich und hab an Menschen gedacht, die mir viel bedeuten. Was würde ich ihnen sagen, wenn ich sterben würde? Bei manchen war es einfach. Manchmal musste ich weinen vor Rührung, war dankbar für die Wegbegleiter. Ich hab an meinen Hund gedacht und begann zu Jaulen. Da ist so viel hochgekommen…..so was Wildes, was Freies.

Ich bin gestärkt weitergegangen, habe die Wolfsfrau in mir entdeckt, was Instinktives. Ich wollte unbedingt bei Sonnenuntergang wieder über die Schwelle zurück, doch die Sonne war ganz schön schnell. Eine richtige Jagd begann, aber ich hab`s geschafft! Ich bin zum Sonnenuntergang pünktlich zurückgekommen, hab gejault und war total glücklich.“

Auszug aus Spiegel 1: 
„Ich habe die Geschichte einer Frau gehört, die hier ist, um eine neue Spur zu finden und auch zu halten, denn eigentlich weiß sie schon so viel. Während dieser Wanderung bastelt sie einen Stab, einen sehr weiblichen Wanderstab, eine Führerin mit sehr vielen Antennen zum Himmel hin und zum Körper. Wenn sie in ihre Kraft kommt, mit den Tieren, dann kann sie ganz leicht so sein wie sie ist. Die Krönung: das Jaulen, hin zu ihrer Herzkraft. Die Familie hält sie zurück. Was ist passiert in diesem jungen Leben das sie so geprägt hat, dass sie immer erst an die anderen denkt? Es war nicht die Eiche, sondern die Buche. Die Buche ist ganz glatt, das Wasser läuft direkt an der Rinde zu ihrer Herzwurzel. Wenn sie verletzt wird, bekommt die Narben und Augen….“

Auszug aus Spiegel 2:
 „Ich habe die Geschichte einer Frau gehört, die schon vor der Medizinwanderung “verkackt”. Sie
hängt die Schwelle so hoch und fragt sich: warum mache ich das?
Muss man denn ´ne Eiche sein? Geht vielleicht auch Buche? Obwohl sie Heuschnupfen hat und Disteln nicht mag, wählt sie sich den Weg, den Dornenweg. Als sie ankommt, lässt sie alles los. Lässt die Kleidung Kleidung sein, lässt den Körper spüren, spürt ihre eigene Sexualität. In dem sich-Raum-schaffen tritt die Frau zutage. Am Jägerstand macht sie Klar-Schiff. Vor lauter Freude und Lust jault sie und spürt sich, spürt die Wölfin in ihr.“

Foto: Mia Brummer

Die Aufgabe der ersten Medizinwanderung im Basis-Camp: Mach dich mit einem nichtmenschlichen Wesen bekannt. Begrüße es, setz Dich zu ihm hin. Erzähle ihm von Dir. Stell ihm eine Frage, die dir am Herzen liegt. Hast Du eine Medizin für mich?
 Alles, was passiert, ist perfekt. Lass dabei das Herz schlagen für das Anliegen, mit dem Du hier bist.
 Öffne die Sinne, betrete den neuen Raum.

Eva erzählt: „ich hab mich gleich mal verlaufen im Dorf; bei jeder Frage nach dem Weg, wurde ich in die entgegengesetzte Richtung geschickt. Im Wald war es dann ganz einfach. Ich traf fünf Katzen. Deren Medizin war: Achte auf dich selbst, gehe so mit Dir um, wie Du mit uns umgehst.“

Die nächste Medizinwanderung ist dem „Süden“ in uns gewidmet, der uns wieder mit der Kindheit und den Ressourcen aus dieser Zeit verbindet.
Die Aufgabe: Gehe in den Süden, nimm Deine Kind an die Hand, geh raus, sei spontan, direkt und impulsiv. Der Süden heißt “TUN”, erfahre Dich im körperlichen Sein, nimm die Sinnlichkeit, die Triebe, die Gier wahr, fühle Dich, genieße die Wärme,
erforsche, was Dich zieht, kämpfe für das, was dir wichtig ist. Was braucht das Kind gerade?

Eva erzählt: „Ich habe schon, als ich von der Aufgabe hörte, gespürt: Mann, ich will los!
 Ich habe im Inneren das Galoppieren des Rehs gespürt, bin gleich in den Wald, voller Entdeckungslust und hatte so `nen Bock, was Schönes für mich zu erleben. Aber da waren überall Menschen, das war mich echt viel zu viel. Ich war genervt und sauer, dass sie so laut sind. Ich hab` mir noch `ne Schwelle gelegt mit dem Wunsch, unsichtbar zu sein. Dann konnte ich wieder Reh sein, aber das mit dem unsichtbar hat nicht so geklappt. Wenn ich Menschen sah, dann war ich starr wie ein Reh, bin weggesprungen und hatte so ne Wut. Ich wollte den Menschen gegenüber gemein sein. Ich fand Schuhe am Bach und wollte sie erst in den Bach werfen, hab sie aber dann doch nur in einer Felsspalte versteckt. Ich habe ganz schön mit mir gerungen, dass ich Leute nicht erschrecke.
`Nein, du bist kein böses Mädchen!`
Ich habe dann einen Stein auf eine Schnecke geworfen und der Darm platzte aus Schnecke.
 Mann, was tust du denn? Warum tötest du diese Schnecke?
 Da ist mir eingefallen, dass ich in der Kindheit öfter mal was Böses gemacht habe obwohl ich eigentlich gar nicht weh tun wollte. Meinem Bruder zum Beispiel. Dam habe ich auch Schmerz zugefügt. Es hat mir leidgetan, dass ich so viele Dinge gemacht habe, die ich gar nicht an mir kenne.

Ich bin dann in die Sonne gelaufen, habe mich bei den Ruinen in die Sonne gelegt, hab mich zur Naturgöttin geschmückt. Ich habe noch einen Stein mit nem Männchen gefunden, das hilfesuchend die Arme ausstreckt – das hat mich ganz schön berührt.“

Auszug aus Spiegel 1:
 „Das Mädchen und das Reh – ist das ein- und dasselbe? Da ist viel Entdeckungslust:
`ich hatte so großen Bock` – bezieht sich das auf `nen Mann? Der Ärger über die Leute
steigert sich, das Mädchen wollte gemein sein. Die Spur führt hin zum Bruder, wo im Vorfeld schon ne Geschichte passiert ist. Als ob sich da so was aufbaut und sie es zurückhält. Im dritten Teil der Geschichte kehrt Frieden ein, die Naturgöttin taucht auf – und alles steht nebeneinander.
Der Stein enthüllt die Frage: wie kann ich das Meine gut leben und dabei mit Mitgefühl bei anderen sein? Es scheint, also ob sich die ganze Geschichte um die Spannung dreht: Ein böses Mädchen sorgt für sich, ein gutes sorgt für die anderen. Was wird da verdeckt?“

Auszug aus Spiegel 2: „Ich habe die Geschichte eines Mädchens gehört, die ihr Sein als scheues Reh, als Naturgöttin, unschuldig und am liebsten unsichtbar leben möchte. Und sie betont: ich bin kein böses Mädchen und doch zeigt sie genau auch diese Dinge ohne zu wissen, warum sie es tut. Sie wollte eigentlich der Schnecke gar nicht weh tun und trotzdem flog der Stein. 
Und wenn sie den Stein findet, wo sich arme zu dir strecken wüsste ich gerne: welcher Teil in der Vergangenheit war das?“

Der Westen ist der Platz der Introspektion: was ist den Innen so in mir los? Der Westen ist der Ort der Psyche; ein sich vom Kind herausschälen, ein auf sich selbst schauen, die Fähigkeit, sich zu reflektieren. Ob das sich selbst reflektierende Bewusstsein den Menschen ausmacht? Ist es eine Gnade oder ein Fluch?

Im Westen befindet man sich im Bauch des Wals, im Schlund des Drachens – der für uns schauerlichste Ort, und doch befindet sich eine Schatzkiste unter den Drachen. Er sitzt drauf und bewacht sie. Um an die Perlen heranzukommen, MÜSSEN wir den Drachen beim Namen nennen.

Es geht nicht darum, mit dem Drachen zu kämpfen und den Kopf abzuschlagen, denn psychische Dinge wachsen nach wie beim Drachen, wie Ableger, und beeinflussen alles.

Es gibt Wunden im Westen, die hat man ein Leben lang, als Teil der Persönlichkeit. Es kommt darauf an, wie ich mich damit anfreunde. Ich nehme sie zu mir, es ist meine Geschichte. Im Westen erwartet uns ein großer Schatz: Die Selbstliebe.
 Wenn die Selbstliebe nicht entwickelt ist, dann bekommt das Du alles ab und überfordert die Partnerschaft. Man will von den Anderen das, was man nicht bekommen hat, was man selbst nicht generieren kann.

Der Westen ist der Kellerraum in der Psyche. Manchmal sagt jemand etwas und die Klappe öffnet sich und wir schlagen unten im Keller auf – völlig gelähmt und starr. Plötzlich geht es um Leben und Tod. Mein Vorschlag: mache selbständig die Klappe auf, trau` Dich runter in den Keller, zieh` den Gummi des Einmachglases auf und schau`, ob da wirklich faule Eier drin sind oder rufe den Drachen. Wer bin ich? Nach welchen Regeln ticke ich? Sind das überhaupt meine?

Die Aufgabe der Medizinwanderung des Westens: „Geh raus in die Natur und lass dich finden von einer Wunde in der Natur, die dich berührt.”
Setz dich zu ihr und frage: was ist die größte Wunde meines Lebens? Sitz mit dieser Wunde, finde ihren Namen heraus, mach das in Zeitlupe, dass du ran kommst an den eigentlichen Schmerz, nimm dir Zeit mit ihr zu sitzen. Wenn es ausgeschwungen hat, und das kann zwei, drei Stunden dauern, dann dreh` der Wunde den Rücken zu und schau` auf die gegenüberliegende Seite. Erkenne: Was ist mir daraus erwachsen? Lass dich berühren, von dem, was du siehst.

Eva erzählt:
„Ich hatte riesen Angst vor einer Angst und es ist gerade megaschwer, es auszusprechen.
Ich habe ein ganzes Brennesselfeld durchquert, erst dann konnte ich mich auf mich besinnen.
Ich hab` Angst, es nicht wert zu sein, geliebt zu werden.“ Eva weint bitterlich und es dauert eine ganze Weile, bis sie fortfahren kann: „Ich stand vor nem riesen Schuttberg. Darunter ist das Pflänzchen, das muss ich jetzt suchen. Der ganze Schutt ist von meinen Eltern. Ich bin so ne Kämpferin, stark nach Außen, weil ich das für meine Eltern getan habe. Nur, damit sie mich lieben, mich endlich sehen. Dabei habe ich so viele Mechanismen ausprobiert, aber bis heute ist es nicht passiert, dass sie mich sehen. Was für ein langer Weg, das zu akzeptieren, dass sie mich eben nicht sehen. Da war eine zugeschüttete Brombeerranke. Die räumte ich frei, nahm die Steine, die auf ihr drauf lagen, weg. Hab sie ganz weit weg geschleudert. Papa schickte mich immer raus. Ich war so viel alleine und Mama sieht mich nicht. So viel Traurigkeit liegt unter den Steinen. Als ich ruhiger geworden bin hab ich das alles sehen können, was ich da aufgebaut habe.
Da waren Schäferhunde, die bellten: Alles Quatsch, alles Blödsinn. Aber ich fühle es so, und das ist ok, das ist erlaubt. Ich machte es mir gemütlich bei dem Pflänzchen, hab ein Steinwehr gebaut, dass es Luft kriegt und Sonne. Als ich mich umdrehte, da sah ich Fledermäuse. Die hatten nen Heidenspass! Die waren einfach da, haben sich nicht verscheuchen lassen! In der Natur bin ich wie ich bin! Da kann ich auch `n Arschloch sein, alles ist ok. Da fällt mir das Lied ein: the river ist flowing. Da heisst es: mother earth is carrying me, her child I will always be….ich bin immer ihr Kind, das Kind von Mutter Erde. Was für ein Trost. Ich gehöre zu Mutter Erde und ich hab ne Mutter und bin unendlich dankbar. Ich weiß jetzt, dass ich einen Platz habe, wenn ich mich verloren fühle: Mutter Natur!
In der Realität war ich ein Unfall; ich hätte abgetrieben werden sollen. Aber Grossmutter verbot es. Ich hab mich als die Schande meine Mutter gefühlt, brach mein Studium ab. Ich war schuld, dass mein Vater nicht mehr der Hallodri sein konnte. Er ist dann gegangen als ich 14 war. Seitdem bin ich das Oberhaupt der Familie. Meine Schwester ist zehn Jahre jünger, mein Bruder zwei Jahre; der ist dann in die Drogen gegangen. Mich gab`s selber nicht mehr, ich war dann für die Familie da. Aber wo bin ich?

Auszug aus Spiegel 1: „Ich habe die Geschichte eines Mädchens gehört, die schon ganz klein eine große Bürde mit sich rumträgt: ich bin ein Unfall, hätte abgetrieben werden sollen. Ich bin zuständig, muss wieder gut machen, ausgleichen. Menschen sehen durch das Baby hindurch, da sie mit eigenen Dingen beschäftigt sind und trotzdem sind sie dafür verantwortlich. Ganz allein, ganz allein, ganz allein. Du hast überhaupt keine Schuld: null! Aber diese Schuldgefühle; so ne Schuld abzutragen, die gar keine ist, ist gar nicht möglich!
Es ist ihr daraus viel erwachsen. Da lernt diese junge frau ne Menge. Sie hat ne Menge an Fähigkeiten. Doch jetzt drängt in ihr die Frage: wer bin ich wenn ich das alles weg lasse? Ein Lehrer hat mal zu mir gesagt: ´wieso meinst du dass du ein Recht darauf, dass du verstanden werden muss, gesehen werden musst, du wurdest von ihnen gezeugt, manchmal muss das reichen´.
Jetzt bist du nur für dich verantwortlich!“

Auszug aus Spiegel 2:…“und natürlich trägt dich Mutter Erde, schützt dich Mutter Erde, aber es gibt auch deine leibliche Mutter und sie bleibt deine Mutter, und auch wenn es ein Gefühl von schuld gibt. Es ist nicht deine Verantwortung, Müll wegzuräumen, den du nicht verursacht hast. Es ist dein Job zu leben, glücklicher zu werden! Das Pflänzchen möchte gerne in die Sonne und ich habe das Gefühl: die Fledermäuse werden mit dir zusammen sicher einen Heidenspass haben!“

Nach dem Gang durch den Süden und den Westen wird der Confirmation-Satz gebildet der all das enthält, wofür es sich lohnt, 100 Stunden allein in der Natur zu sein.

Evas Satz: „ich nehme mir den Raum und die Zeit, die kleine Eva fest im Arm zu halten und halte mich und mein Leben achtsam und fürsorglich im Blick“

Im zweiten Teil erzählt von Eva`s Auszeit in der Natur. Wird sie „da draußen“ Kontakt zu ihrem inneren Kind aufnehmen können? Werden ihr die 100 Stunden mit ihr allein die Orientierung geben, die sie so dringend sucht?

Mia Brummer

Gerade in herausfordernden Zeiten kann uns die Natur Orientierung und Halt bieten, da sie uns verlässliche Strukturen in dem zyklischen Kontext von Werden und Vergehen aufzeigt. Dazu kann man auf Visionssuche gehen. Auch eine Medizinwanderung kann uns auf unserem Weg eine großartige Hilfe sein. Wenn Du mehr über diese Art von Naturübungen wissen möchtest, dann schau auf www.schamanische-seminare.de oder schicke Mia eine Nachricht per Mail.